Unitas - ein Name, ein Programm

Die Unitas wurde 1855 von Bonn und Tübingen aus begründet und ist damit der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands.


1887 - Wachstum

Im Kulturkampf wird die "klerikale UNITAS", der Zusammenschluss der geistlichen Alten Herren, verboten. Als danach die Konvikte wieder geöffnet werden und Theologiestudenten in diese einziehen müssen, droht die UNITAS auszubluten. Der Verband muss reagieren: Die außerordentliche Generalversammlung in Neuss 1887 beschließt die Umwandlung des theologischen Gesamtvereins UNITAS mit einzelnen Coeten in einen für alle Fakultäten offenen "Verband wissenschaftlicher katholischer Studentenvereine" - nur die UNITAS-Frisia Münster bleibt ein reiner Theologenverein. Bis zur Jahrhundertwende entstehen weitere Gründungen in Freiburg (1895), Straßburg (1898), in Marburg (1899) und ein mit UNITAS Sugambria ein weiterer Münsteraner Verein.

Aktiv begleiten die Entwicklung der UNITAS die Verbandsgründer

Hermann-Ludger Potthoff aus Werden/Ruhr, vom Kölner Erzbischof 1863 für die Seelsorge in der Diaspora freigestellt, wirkt in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden in der Caritasarbeit und als Oberhofprediger am Königlichen Hof.

Franz Hülskamp (1833-1911) aus Essen/Oldenburg und Gründer der UNITAS in Münster, gilt als der maßgebende katholische Literaturkritiker und -wissenschaftler seiner Zeit. Dem vielgelesenen Autor wird das "Soester Grundsatzprogramm" der Deutschen Zentrumspartei von 1871 zugeschrieben, er ist 1876 Mitgründer der Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaften.

Der Unitarier Franz Hitze (1851-1921) legt 1877 sein Werk "Die soziale Frage und die Bestrebungen zu ihrer Lösung" vor, 1881 erscheint "Kapital und Arbeit und die Reorganisation der Gesellschaft". Gemeinsam mit dem ersten Ehrenmitglied der UNITAS, dem Gründer der Zentrums-Partei Ludwig Windthorst, gründet der Reichstagsabgeordnete 1890 den "Volksverein für das Deutschland". 1893 übernimmt Hitze in Münster den ersten Lehrstuhl für Christliche Gesellschaftswissenschaften. Als einer der bedeutendsten katholischen Sozialwissenschaftler und Politiker nimmt er starken Einfluss auf die Bismarcksche und Wilhelminische Sozialgesetzgebung.

Der später als Jesuit berühmt gewordene Heinrich Pesch (1854-1926) diskutiert als Jurastudent 1875 bei seiner UNITAS in Bonn die "Industrielle Krise" und die "Gefahren der modernen Industrie". Peschs Beitrag zur Christlichen Gesellschaftslehre, der sogenannte Solidarismus, ist wichtiger katholischer Beitrag zur theoretischen Fundierung der sozial-marktwirtschaftlichen Ordnung.

Die Idee der Gründer trägt

Von 1898 bis 1918 erlebt der UNITAS-Verband einen großen Aufschwung. Den Neugründungen von Freiburg (1895) und Straßburg (1898) folgen Marburg (1899), Berlin, München, Heidelberg und Paderborn (1900), Göttingen (1902), Kiel (1908), Aachen (1911), Frankfurt (1917). Hinzu kamen drei weitere UNITAS-Vereine in Münster. Zu Beginn des ersten Weltkriegs zählt der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands als einer der größten Korporationsverbände in Deutschand und Österreich fast 70 aktive Ortsvereine zwischen Königsberg und Straßburg, Breslau und Hamburg, Innsbruck und Paris. Von 725 Aktiven und etwa 1600 Alten Herren standen bei Kriegsende 1918 noch 1200 unter Waffen, 240 Unitarier - die größte Zahl aus allen Verbänden - fielen im Krieg.