Unitas - ein Name, ein Programm

Die Unitas wurde 1855 von Bonn und Tübingen aus begründet und ist damit der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands.


Übersicht

GV 2019 - Tag III

Von:  BOEN

02.06.2019

Der dritte Tagungstag startet mit der Verbandsmesse in der St. Theresia Kirche, bei der traditionell in besonderem des Unitas-Verbandes und seiner Verstorbenen gedacht wird. Der Geistliche Beirat des Unitas-Verbandes Bbr. Pfarrer Stefan Wingen betont in seinen Ausführungen zum Bibeltext in Verbindung mit dem GV-Leitwort "Communicate!" die Notwendigkeit, untereinander in wertschätzendem Kontakt und respektvollen Austausch zu kommen. "Sprecht miteinander!" - egal, ob zwischen den Religionen, zwischen religiösen und nicht-religiösen Menschen, innerhalb unseres Verbandes und vor allem im Gebet in Kontakt zu Gott. Zentrales Element seien dabei die Kenntnis des eigenen Glaubens und ein festes Bekenntnis in die Prinzipien.

Podiumsdiskussion zum Tagungsthema

Hochkarätige Podiums- und Plenumsdiskussion zum Tagungsthema: Prof. Dr. Mouhanad Khorchide (Leiter des Zentrums für Islamische Theologie) und Prof. Dr. Clauss Peter Sajak (Professor für Religionspädagogik, Universität Münster) diskutieren unter Moderation von Bbr. Sebastian Sasse. Beide Podiumsvertreter sind bestes Beispiel für interreligiösen Dialog - da sie sich offen und positiv freundlich gegenüber treten - und dies immer wieder in gemeinsamen Veranstaltungen genau an diesem Tagungsort. Beide betonen, dass das offene Interesse und der Wille zur Begegnung mit dem Gegenüber notwendig ist, was wiederum auf einem eigenen fundierten Selbstverständnis gründen muss. "Nur wenn ich weiß wer ich bin, kann ich mich den anderen öffnen", so Prof. Khorchide. Eine weitere Herausforderung sei die theologisch begründete Öffnung für den interreligiösen Dialog, die in der katholischen Kirche durch das II. Vatikanum bereits gegeben sei, wie Prof. Dr. Sajak in seinem Eingangsreferat ausführte.

Professor Khorchide sieht die Notwendigkeit des interreligiösen Dialogs vor allem darin, dass die Angst vor Muslimen dort am größten sei, wo am wenigsten Begegnung stattfinde. Man benötige Räume zur Begegnung um den anderen "in seiner Andersheit kennenzulernen und zu würdigen". Viele junge Leuten hätten heute das Problem, keinen gefestigten Glauben zu besitzen und so die Religion nicht aus spirituellen, sondern vielmehr aus identitätsstiftenden Gründen auszuleben.

Genau auf diesen Aspekt stützt sich auch Prof. Sajak und betont die Wichtigkeit des konfessionellen und eben auch islamischen Religionsunterricht, um diese Identifizierung mit der Spiritualität und das Wissen um die Hintergründe des Glaubens zu stärken. "Elemente gelebten Glaubens sind in der Öffentlichkeit und Gesellschaft notwendiger denn je - in der Familie, in der Kita, in den Pfarrgemeinden und den Jugendgruppen, nur dann können sich unsere Kinder von Anfang an mit dem Glauben auseinandersetzen."

Vom Unitas-Verband und seinen Mitgliedern wünschen sich beide Podiumsvertreter konkrete Schritte: Prof. Sajak nennt als zentralen Punkt das Verständnis für Muslime und für sie als Mitmenschen einzutreten und sich im zweiten Schritt aktiv Bekanntschaften und Freundschaften mit Muslimen zu suchen. Prof. Khorchide wünscht sich weitere Räume der Begegnung zu öffnen und dabei bei Veranstaltungen nicht über sondern wie an dieser Diskussion mit dem Islam zu reden. Zudem solle man keine Scheu haben in der Begegnung und im Dialog mit Muslimen auch kritische Rückfragen zu stellen, nur dies ermögliche den Start von Lernprozessen auf beiden Seiten.

Sonniger Nachmittag

Während der ZHBV seine jährliche Sitzung durchführt genießen viele Teilnehmer der Generalversammlung die schönen Sonnenstunden in Münster. Nicht nur am Begleitprogramm können sich alle erfreuen: überall in der Stadt kann man an sonnigen Plätzchen auf kleine Grüppchen von Unitarierinnen und Unitarier treffen, die das gute Wetter nutzen, um sich im Freien auszutauschen - ganz wie der Aufruf des Geistlichen Beirats es in der heutigen Verbandsmesse gefordert hatte: "Commmunicate!".

Feierlicher Festkommers mit Festvortrag

Die Halle bebt! Feierlicher Festkommers in der Halle Münsterland mit 34 Chargenteams. Unter der beeindruckent eloquenten Führung von Präside Bbr. Benedict Gläser (Unitas Rolandia) feiern Bundesschwestern und Bundesbrüder samt Gästen und Ehrengästen bei Vortrag, Gesang und Gespräch. In seiner Festrede zum Thema "Christentum und Pluralität" betont der Ehrengast Prof. Dr. Dr. Thomas Sternberg (Vorsitzender des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken) die Bedeutung der gegenseitigen Achtung, des Respekts und des Interesses füreinandener - und schlägt damit die Brücke zur Podiumsdiskussion am vorhergehenden Morgen.

Nach einigen ausführlichen Darlegungen der statistischen Entwicklungen im christlichen und katholischen Umfeld in der europäischen Gesellschaft benennt Prof. Sternberg die Bestimmung der christlichen Artefakte als Grundlage der europäischen Gemeinschaft: "Die Fähigkeit zu Kreativität, Integration und Dialog sind die Grundlagen, um den Herausforderungen der heutigen Zeit zu begegnen". Ihm geht es dabei vor allem um die Qualität und Art der zugrunde liegenden Haltung. Die Integration des Islams sieht er als Auftrag nicht nur für den Staat, sondern ebenso für alle religiöse Gruppen. Die Hauptaufgabe hierbei sei die Kommunikation zwischen den Religionen, die insbesondere deshalb dringend notwendig sei, da die derzeit statistisch belegte negative Haltung gegenüber dem Islam in Deutschland eine große Gefahr berge. "Wir Christen müssen das thematisieren und den Dialog suchen", so der Vorsitzende des ZdK. Außerdem ergänzt er unter großem Beifall der Corona: "dass wir in diesem Land nach unserer Geschichte wieder über Antisemitismus reden müssen, ist eine Schande!"

In seinen weiteren Ausführungen geht der Festredner kurz auf die Aspekte, Herausforderungen und Gefahren im Umgang mit den sogenannten "Sozialen Media" ein und wirft dabei einen kritischen Blick auf Netz und Anonymität. Er ruft alle Unitarierinnen und Unitarier und alle Christen dazu auf, den Glauben nicht vor sich her wie ein Schild zu tragen, sondern aktive Elemente des Glaubens im täglichen Leben zu setzen. "Communicate - lassen Sie uns diesen unseren Glauben offen und ohne Angst in der Gesellschaft kommunizieren".

Im Zuge des Grußwortes von VOP Justin Dennhardt und begleitet von stehendem Beifall wird zudem die silberne Unitas-Ehrennadel an den scheidenden Vorsitzenden des Zentralen Hausbauvereins Bbr. Dr. Dieter Rehbein verliehen.