Unitas - ein Name, ein Programm

Die Unitas wurde 1855 von Bonn und Tübingen aus begründet und ist damit der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands.


Übersicht

Zur Mitte

Von:  Beirat für Kirchenfragen

01.11.2017

Liebe Bundesschwestern und Bundesbrüder,

Mit seiner Schuld muss jeder leben! Wir alle machen uns schuldig im Laufe unseres Lebens, ja vielleicht sogar im Laufe eines jeden Tages. Natürlich nur im Kleinen und selten im Großen. Die Dimensionen sind dann sicher verschieden, nicht aber der Ablauf der folgt. Wir fühlen uns schlecht, weil wir das Ideal, was wir versuchen zu leben und dem wir nachstreben, verfehlt haben. Uns fällt es dann schwer in Augen zu schauen. Nicht nur in die eigenen Augen, sondern vor allem die Augen der anderen und die Augen Gottes. Schuld wirkt dann als ein Sozialblocker, der uns von anderen und Gott trennt und auch von uns selber. Wir fühlen uns schlecht unter anderen Menschen, und mit uns allein.

Die Negrito, ein Naturvolk im Philippinisch Malaiischen Raum hat ein ganz eigenes Ritual mit Schuldiggewordenen Stammesmitgliedern umzugehen. Sie stellen den Schuldigen in die Mitte und schließen einen Kreis um ihn. Sie symbolisieren damit ihre Zusammengehörigkeit, aus der der Schuldige mit seiner Tat sich selbst ausgeschlossen hat. Doch mit dieser symbolischen Verurteilung ist das Ritual nicht zu Ende. Jedes Stammesmitglied, was um den Schuldigen in der Mitte steht, trägt nun positive, für die soziale Gemeinschaft nützliche Eigenschaften des Schuldigen vor. So aufgebaut, wird dieser wieder in den Kreis der Gemeinschaft wieder eingegliedert und symbolisch neu aufgenommen.

Auch Gott möchte, dass wir zurück in die Gemeinschaft kommen. Dafür ist Jesus am Kreuz für uns gestorben, damit wir, trotz unserer Schuld, weiter am Leben teilhaben können. Er nahm alle Schuld auf sich, damit wir Gott weiter in die Augen schauen können. Nur deshalb ist es uns möglich zu beichten und uns von unseren Sünden zu befreien. Zwar bleiben die Folgen der Schuld und wir haben die Pflicht nach unserer Reue ein Gegengewicht für die Folgen der Schuld in die Welt zu setzen und darauf zu achten, es das nächste Mal besser zu machen, aber letztendlich wird uns vergeben von Gott und durch die Barmherzigkeit unserer Mitmenschen, die uns wieder aufnehmen in die Gemeinschaft. Vergeben ist also nicht etwas rein Göttliches oder Privates, sondern es geht uns alle an.

Ohne Vergebung wäre eine Gesellschaft nicht Überlebensfähig. Das weiß der Stamm im Südosten Asiens und das sollten wir uns auch immer wieder vor Augen halten, wenn sich jemand an uns schuldig gemacht hat.

Bbr. Clemen Heinze