Unitas - ein Name, ein Programm

Die Unitas wurde 1855 von Bonn und Tübingen aus begründet und ist damit der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands.


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Von:  Beirat für Kirchenfragen

29.09.2017

Ob und wie der Weg der Bildung einer neuen Bundesregierung nach Jamaika führt, steht noch irrlichternd in den Sternen. Von erschreckendem Ausmaß ist hingegen der dunkle Schatten, der durch das erwartbar hohe Abschneiden der AfD auf der gesellschaftlichen Zukunft liegt. Allen forschen Maulkorbappellen zum Trotz wird sich die kirchliche Stimme vernehmbar machen müssen – und dies mit brennender Sorge und wachsendem Befremden! Die von Bbr. Reinhard bemühte „rote Linie“ wird als christliche Alternative für Deutschland nicht hinreichend sein. Es muss klipp und klar gesagt werden, dass man als Christ die AfD nicht wählen kann! Wer dies dennoch getan haben sollte, muss sich fragen lassen, ob er oder sie nicht einer Missdeutung des christlichen Gottesglaubens erlegen ist. Namentlich das sich als wertkonservativ bezeichnende Klientel sieht sich in gesellschafts- und familienpolitischen Positionen von der AfD vertreten – und unterstützte mit ihrer Stimme ein toxisches Gesamtpaket aus schrecklicher Vereinfachung, hasserfüllter Verunglimpfung des gefühlt Fremden und destruktiver Protesthaltung. Der berechtigte Lebensschutz wird nicht durch einen Verbotskatalog befördert, vielmehr braucht es eine Sozialpolitik, aufgrund derer der Kinderwunsch nicht zu einem Armutsrisiko wird und der Pflegenotstand nicht den Gedanken aufkommen lässt, man dürfe oder müsse den Tod gar vor der Zeit herbeiführen. Die Erweiterung der juristischen Ehedefinition hat mit einer Abschaffung der Familie genauso wenig zu tun wie die Egalisierung des geschlechtlichen Rollenverhaltens mit einer aufoktroyierten Beliebigkeitswahl der sexuellen Identität. Der von der AfD brandbeschleunigten Angst vor dem kulturell Fremden ist nicht mit der Utopie einer nostalgischen völkischen Leitkultur zu willfahren, vielmehr ist den realen oder gefühlten sozialen Abstiegsängsten auf dem Feld einer gerechten und sozialen Arbeits- und Wirtschaftspolitik zu begegnen. Die aufgebauschte Aussage, der Islam gehöre zu Deutschland, ist deskriptiv und nicht normativ zu verstehen – radikale Stimmen gehören hier ebenso gemaßregelt zu werden wie solche innerhalb des erstarkenden christlichen Fundamentalismus. Der unisono vernehmbare Aufruf, man müsse die AfD-Wähler zurückgewinnen, darf nicht darin bestehen, sich durch deren Agenda seine Zukunftsvision vorgeben zu lassen – nein: Was nottut ist ein aufklärender Bildungsruck!

Liebe Bundesbrüder und Bundesschwestern, suchen wir mutig die Auseinandersetzung mit AfD-affinen Thesen – virtus! –, überwinden wir dumpfe Vorurteile mit überlegenem Sachwissen – scientia! –, befördern wir so ad intra wie ad extra einen Zusammenhalt – amicitia! –, innerhalb dessen die mantrahaft genannten Ängste als das dechiffriert werden, was sie sind: Ängste – nach Thomas von Aquin ein perfide Schliche des Satan, da Ängste sich auf lediglich ein Phantasma beziehen, auf etwas, was es nicht gibt. Dagegen steht das Wort der Wahrheit: Nolite timere!

Bbr. Dr. Oliver Wintzek