Bild von Heinrich Krone (Foto: Slomifoto/KAS-ACDP )
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„Politik würde ich nicht so sehr einordnen in das Gebiet des Wissens, sondern in das Gebiet des Künstlerischen, des Vermögens, des Intuitiven.“

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Heinrich Krone

„Kaum jemand hat seine gesellschaftliche und politische Arbeit so sehr auf das Gemeinwohl ausgerichtet wie Heinrich Krone. Seine Person trat dabei immer in den Hintergrund, er war allein an der Sache interessiert. Krone ist ein Beispiel dafür, wie ein wirklicher 'minister' tief verwurzelt im Glauben an Gott und in der Liebe zu seinem Volk und seinem Vaterland, seine gesamte politische Arbeit in den Dienst der Menschen gestellt hat.“

Mit diesen Worten beschrieb Helmut Kohl 1989 Heinrich Krone anlässlich seines 90. Geburtstages. Heinrich Krone – kein Mann, der gern im Rampenlicht stand, aber dennoch einer, der aus der politischen Geschichte Deutschland des 20. Jahrhunderts nicht wegzudenken ist. Dabei war ihm, dem Sohn einer katholischen Arbeiterfamilie von der Weser, dessen Kindheit und Jugend aufgrund des frühen Todes seines Vaters von vielen Entbehrungen geprägt war, die politische Laufbahn keineswegs vorgezeichnet.  

Vom Arbeiterkind zum Politiker

In mehrerlei Hinsicht bestimmte der katholische Glaube Krones Weg in die Politik. In der Zentrumspartei, in der er 1922 seine politische Tätigkeit begann, sammelten sich junge Katholiken wie Krone selbst. Selbstbewusster als noch die „Kulturkampfgeneration“ ihrer Großeltern und ihrer Eltern verstanden sie sich gerade auch als Katholiken als Teil der politischen Landkarte Deutschlands und waren bereit, die noch in den Kinderschuhen steckende deutsche Demokratie auf der Grundlage christlicher Werte verantwortungsvoll mitzugestalten. Besonders am Herzen lag dem studierten Lehrer Krone schon in dieser Zeit die politische Bildung insbesondere der Jugend und der Arbeiter. Dass es ihm – damals als Leiter der Jugendorganisation des Zentrums in Berlin -  dabei nie nur um das bloße „Heranzüchten“ von Parteinachwuchs ging, sondern  vielmehr um die Unterstützung gerade der jungen Generation in ihrer Entwicklung hin zu mündigen Demokraten, zeigt eindrucksvoll Krones beherzte Beteiligung an einer parteiübergreifenden Kundgebung der Jugendorganisationen mehrerer Weimarer Parteien in Reaktion auf den Putschversuch Hitlers 1923.  

Neue Herausforderungen nach 1945

Auch der politische Neuanfang 1945 ist untrennbar mit dem Namen Heinrich Krone verbunden. Als Mitbegründer der CDU in Berlin war Krone nach den einschneidenden Erfahrungen der NS-Zeit von der Idee getrieben, eine neue, dauerhafte Demokratie auf der Basis christlicher Werte zu errichten. Dass in dieser heiklen Zeit des politischen Neubeginns kein Raum für konfessionalistische Vorbehalte war, stand für Krone und seine Mitstreiter fest: Die neue Partei sollte Protestanten und Katholiken in ihrem Streben nach einer menschenwürdigen Gesellschaftsordnung nach Gottes Geboten miteinander vereinen, und auch denjenigen offenstehen, die sich christlichen Werten verpflichtet sahen, ohne eine kirchliche Bindung zu haben.

Der Aufstieg Krones in der neugegründeten Partei über den CDU/CSU-Fraktionsvorsitz bis hin zum Bundesminister und einem der engsten Vertrauten Adenauers stellte ihn vor neue Herausforderungen: Tiefgreifende Entscheidungen im Zuge der Rüstungsdebatte, die Frage nach dem politischen Umgang mit dem ostdeutschen Nachbarstaat und das Bestreben nach  innereuropäischer Aussöhnung prägen die Zeit des politischen Wirkens Krones ebenso wie innerparteiliche Konflikte und Machtkämpfe. Krone selbst hielt sich dabei als Person im Hintergrund. Wenn er das Wort ergriff, dann nicht, um sich selbst in den Vordergrund zu spielen, sondern um seine Partei – zum Wohl des Landes -  zur Einmütigkeit aufrufen.  

Heinrich Krone – eine Vorbild?

Man muss nicht alle politischen Entscheidungen gutheißen, die Heinrich Krone mittrug, und man kann durchaus hinterfragen, ob heute die Bindung an eine einzelne Partei und die persönliche Aufopferung für ihren Zusammenhalt der einzig mögliche Weg ist, um sich aktiv politisch einzubringen. Trotzdem lohnt es sich auch heute noch, den Fragen, die  Heinrich Krone Zeit seines Lebens beschäftigt haben und die sein politisches Handeln bestimmten, nachzugehen.

Krone stellte sich Zeit seines Lebens die Frage, wie Macht Menschen verändert, und war sich der Ambivalenz gerade politischer Macht sehr bewusst. Er wusste, dass jede politische Entscheidung immer auch eine persönliche Gewissensentscheidung war, dass man sich hinter Fraktionszwang nicht verstecken kann, dass er jede seiner politischen Entscheidungen letztlich allein mit Gott  und dem eigenen Gewissen auszumachen hatte. Auch deswegen spielte der christliche Glaube für Krone als Politiker eine so wichtige Rolle. Krone wusste, für welche Werte er mit seiner Politik einstand : Die mit der Geschichte des christlichen Abendlandes untrennbar verwobene Würde jedes einzelnen Menschen, der unschätzbare Wert von Familie und Gemeinschaft, soziale Gerechtigkeit jenseits  des Sozialismus, ein freiheitlich geeintes Europa. Er wusste, dass das Christentum kein Monopol auf diese Werte beanspruchen kann und darf. Nichtsdestotrotz stand für ihn fest, dass Christ sein eine besondere politische Verantwortung mit sich bringt.  

Heinrich Krone heute

Zeit seines Lebens war Krone darum bemüht, der jungen Generation die Wahrnehmung ihrer politische Verantwortung ans Herz zu legen. In der Weimarer Republik setzte er sich dafür ein, die heranwachsende Generation für die noch junge Demokratie zu begeistern. 1973 – Krone war damals bereits 78 Jahre alt! - traf sich in Bonn erstmals das „Krone-Kreis-Seminar“, in dem Studenten politische Fragen mit ihm diskutierten. Die Jahre dazwischen sind geprägt von Krones  dauerhafter Verbindung mit den Studenten des wissenschaftlichen katholischen Akademikerverbands UNITAS, dem er selbst noch zu Studentenzeiten beitrat und den er als einen Ort schätzte, an dem Studenten und Akademiker jeden Alters nicht nur Fachliches diskutieren, sondern auch die „Fragen nach dem letzten und tiefsten Sinn menschlicher Existenz“, wie Krone selbst es einmal formulierte.     

Noch heute, 25 Jahre nach seinem Tod, setzt sich die UNITAS dafür ein, dieses Erbe Krone weiterleben zu lassen. Gemeinsam mit der Joseph-Höffner-Gesellschaft und dem Heinrich-Pesch-Preis veranstaltet sie in Fortsetzung des 1973 begonnen Projektes jährlich das Krone-Seminar, eine Tagung für Studentinnen, Studenten und junge Akademikerinnen und Akademiker, auf der aktuelle sozialpolitische Themen gemeinsam erarbeitet und diskutiert werden. Das Spektrum reicht dabei von „Politik in der modernen Wirtschaftsgesellschaft“ (2012) über „Aufstieg durch Bildung?“ (2013) bis hin zu „Ehe und Familie heute – Vorfahrt oder Abstellgleis?“ (2014).