Unitas - ein Name, ein Programm

Die Unitas wurde 1855 von Bonn und Tübingen aus begründet und ist damit der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands.


1935 - Gegen den totalitären Staat

Die Nationalsozialisten machen ernst: Nach den Erlassen zur Gleichschaltung der Verbände im April 1933 und dem Verbot konfessioneller Vereine 1934 verweigert sich die Unitas 1935 der "Gemeinschaft studentischer Verbände" und 1936 der "NS-Studentenkampfhilfe". Allerdings - auch der UV mssßte 1933 das Führerprinzip annehmen: Verbandsleiter wurde der spätere langjährige Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, Erbprinz Dr. Dr. Karl zu Löwenstein. Unitas-Vereine bekennen Farbe, treten trotz Repressalien öffentlich weiter auf. Ein Protest mit Folgen: Am 20. Juni 1938 verfügt Gestapo-Chef Himmler die Zwangsauflösung des Unitas-Verbandes als "staatsfeindliche Organisation". Das gesamte Vermögen wird beschlagnahmt. Die meisten Vereine des einzigen Verbands, der sich nicht freiwillig aufgelöst hat, arbeiten nach dem Verbot der Unitas im Untergrund weiter. Bis zur Mitte des Krieges entstehen sogar neue Vereine. Noch Ende 1936 schließt eine Veranstaltung der Sigfridia-Unitas in Breslau: " ..Was wir an äußerem Glanz, in der Breite verloren haben, müssen wir in der Tiefe wiedergewinnen .... Durchhalten heißt die Parole!..."

Ein Unitarier, Carl Klinkhammer, gehört zu den ersten Priestern, die verhaftet werden. Die Nazis bezichtigen den als "Roter Ruhrkaplan" berühmt gewordenen späteren "Bunkerpfarrer" von Düsseldorf der Zusammenarbeit mit Kommunisten. Nicht nur der alltägliche Unterdrückungsapparat des Systems fordert eine mutige Antwort, auch die Rassenideologie der Nazis. Unitarier, die Professoren Wilhelm Neuß und Werner Schöllgen, verfassen den 200.000fach verbreiteten "Antimythus" - eine mutige Antwort gegen den "Mythus des 20. Jahrhunderts" von Hitlers NS-Chefideologe Alfred Rosenberg.

Der Unrechtsstaat schlägt zurück: Entlassungen, Degradierungen, Devisen- und Sittlichkeitsprozesse gegen Priester, Ausweisungen, Verhaftungen, Bespitzelung, Zuchthaus und Konzentrationslager richten sich auch gegen Unitarier. Dramatisch beweist sich die Richtigkeit der päpstlichen Enzyklika "Mit brennender Sorge", die im März 1937 millionenfach verteilt wurde. Einigen Unitariern gelingt die Flucht in die Schweiz oder nach Brasilien. Anderen nicht - sie lassen ihr Leben in Dachau, Struthof-Schirmeck und Mauthausen, unter dem Fallbeil in Hamburg oder Brandenburg-Görden, in Gestapo-Haft oder bei Schanzarbeiten am Westwall.