Unitas - ein Name, ein Programm

Die Unitas wurde 1855 von Bonn und Tübingen aus begründet und ist damit der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands.


Patenbistum Salem/Indien

Auf der 90. GV 1967 in Bochum wurde Bischof Dr. Victor Selvanather von Salem im Staate Madras (heute Tamil Nadu) in Südost-Indien die Ehrenmitgliedschaft des UNITAS-Verbandes verliehen. Mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft ergab sich für den UNITAS-Verband fast automatisch die Übernahme der Patenschaft über das Bistum Salem.

Mit der Übernahme der Patenschaft für das Bistum Salem setzte der UNITAS-Verband 1967 seine partielle Patenschaft fort, die er bereits im Jahre 1962 begonnen hatte. Durch Beschluss der 85. GV in Tübingen unterstützte der UV einige bedeutende Schulvorhaben auf der Ebene des Mittel- und Berufsschulwesens im Bistum Salem und stellte für diesen Zweck einen ersten größeren Betrag zur Verfügung. Aufmerksam und bekannt geworden ist der UNITAS-Verband mit dem Bischof von Salem durch die Vermittlung von Bbr. Dr. Peter Joseph Hasenberg. Auf einer Europareise aus Anlass der ersten Session des Zweiten Vatikanischen Konzils nutzte Bischof Selvanather die Gelegenheit, maßgebende Stellen des UNITAS-Verbandes mit seinem Anliegen vertraut zu machen, um die soziale Frage in seiner Diözese zu lösen.

Bischof Selvanather war der erste indische Bischof der Missionsdiözese Salem im aufstrebenden Staate Madras. Die Diözese erstreckt sich über ein Gebiet von über 71 000 Quadratmeilen. Die Gesamtbevölkerung betrug dort damals 3,5 Millionen, von denen lediglich 50.000 Katholiken waren. Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung bekannte sich zum Hinduismus; daneben gab es noch 100.000 Mohammedaner und 25.000 protestantische Christen. Die Diözese Salem wurde 1930 durch Abtrennung von zwei anderen Diözesen gebildet. Innerhalb von 30 Jahren hatte sich in dieser neuen Diözese die Zahl der Katholiken mehr als verdoppelt. Fast alle Katholiken gehören der armen, besitzlosen Klasse an und verrichten niedrigste Dienstleistungen, oft als Arbeiter der oberen Hinduklassen.

Als die Missionare den Kontakt mit dieser untersten sozialen Bevölkerungsschicht aufnahmen und als erstes Schulen einrichteten, wurden zunächst die Kinder vom Christentum angezogen. Nach Aussagen von Bbr. Selvanather hielten die Ortsvorsteher Versammlungen ab und baten die Priester, das Christentum zu bringen und Katechismusschulen zu eröffnen. Nach der erforderlichen religiösen Unterrichtung konnten zuweilen die Einwohner ganzer Dörfer - 150-300 Seelen - gleichzeitig getauft werden. Mehr und mehr Schulen wurden eröffnet und die wirtschaftlichen Bedingungen konnten durch Heimarbeit wie Weberei und Seilerei verbessert werden.

In der Diözese Salem standen Bbr. Selvanather damals 42 Priester zur Seite, von denen 8 für die Seelsorge in sogenannten Missionszentren eingesetzt waren. In diesen Zentren wurden feste Kirchen und Schulen gebaut; in anderen Dörfern bestanden die Kirchen und Schulen aus provisorischen Hütten mit Lehmmauern und Palmblatt-Dächern. Für die jungen christlichen Gemeinden müßten in unserem Patenbistum noch eine Reihe von Kapellen, Kirchen und Schulen errichtet werden.

Für die Evangelisierung benötigt das Bistum auch heute dringend Priester. In Seminaren werden zwar einheimische Priester ausgebildet, aber die notwendigen Kosten übersteigen die Möglichkeiten der Diözese, die weiterhin auf Spenden angewiesen ist. Schulen sind Mittelpunkt katholischen Lebens, obwohl eine hoher Prozentsatz der Schüler Nichtchristen sind. Viele verwaiste und ausgesetzte Kinder haben in den Waisenhäusern der Diözese (3 Heime für Jungen und 8 für Mädchen) eine Heimstatt gefunden. Die Jungen erlernen dort ein Handwerk, z.B. Schreiner oder Automechaniker, die Mädchen werden meist in Handarbeiten unterwiesen. Mangel herrscht auch an Krankenhäusern und ländlichen Pflegestationen.

Ein wichtiger Schritt in der Entwicklung unseres Patenbistums war 1955 anlässlich des 25jährigen Jubiläums der Diözese die Gründung der "Salem Catholic Association". Hierbei handelt es sich um eine Wohlfahrtsorganisation katholischer Laien, deren Ziel es ist, den sozialen und beruflichen Standard der dortigen Katholiken zu heben, wobei der Entwicklungsfond sich aus freiwilligen Spenden und Mitgliedsbeiträgen speist. Obwohl sich die Katholiken der Diözese nicht auf fremde Hilfe verlassen will, bleibt diese weiterhin auf unsere Hilfe angewiesen.

Aus seiner sozialen und religiösen Verpflichtung heraus, hat der UNITAS-Verband in den folgenden Jahren fast 400.000 DM für sein Patenbistum aufgebracht. Daneben haben einzelne Bundesbrüder auch konkrete Förderungen, z.B. die Ausbildung eines Priesteramtskandidaten gespendet.

Auch wenn unser Ehrenmitglied Bbr. Erzbischof Dr. Selvanather am 14. Oktober 1993 verstorben ist, wird die Patenschaft für das Bistum Salem weiterhin aufrechterhalten.