Unitas - ein Name, ein Programm

Die Unitas wurde 1855 von Bonn und Tübingen aus begründet und ist damit der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands.


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Zur Mitte – Dezember 2019

Von:  Beirat für Kirchenfragen

27.11.2019

„Sprachlos werden die wortwendigen Redner vor dir, o Gottesmutter. Solcher Ohnmacht versagt sich das Wort: wie du jungfräulich gebären konntest. Staunend schauen wir das Geheimnis des Glaubens.“

 

Mit diesem Vers aus dem Hymnos Akáthistos, einem der ältesten Lobgesänge der Ostkirche an die Gottesmutter Maria, möchte ich Euch, liebe Bundesschwestern und Bundesbrüder einladen, den kommenden Advent als eine Zeit wahrzunehmen, in der wir zur Ruhe kommen können. Wir als gute Unitarier sind doch auch sehr wortwendig, man könnte fast sagen, wortgewaltig. Sei es auf Kneipen oder Kommersen, im Convent oder beim Stammtisch, während Seminaren und Vorträgen: uns fällt immer das rechte Wort zur rechten Zeit ein.

Die Adventszeit jedoch sollte uns daran erinnern, dass dieser alltägliche Trubel nicht alles ist, so wichtig er uns erscheinen mag und manchmal auch ist. Vor dem Geheimnis des Glaubens dürfen wir schweigen, vor der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus. Vor allem die Gottesmutter kann uns hier ein Vorbild sein: Die Rorate-Messen im Advent sind Marienmessen, die bereits sehr früh in der Kirchengeschichte belegt sind. Sie finden vor dem Sonnenaufgang statt und bringen so schon eine gewisse Ruhe mit sich. Bevor der Arbeitsalltag beginnt, können wir mit Maria vor Gott treten. Schweigen in den richtigen Momenten sollte aber genauso wichtig sein, wie das aufmerksame Zuhören. Maria hat der Botschaft des Engels gelauscht, der ihr sagte, dass sie den Sohn Gottes gebären solle. Vielleicht könnten wir auch hier schauen, ganz im Sinne der unitarischen Amicitia, ob wir der oder dem Anderen ein offenes Ohr schenken, wenn er oder sie es braucht.

Jesus Christus ist das fleischgewordene Wort Gottes, wie es wunderbar im Prolog des Johannesevangeliums ausgedrückt wird. An Weihnachten Gedenken wir dieser Fleischwerdung. Wenn er das Wort Gottes ist, ist es wichtig, dass wir lernen zur Ruhe und zum Schweigen zu kommen, denn nur so können wir Christus hören und er kann in uns wirksam werden.

 

Ich wünsche Euch von Herzen eine besinnliche Adventszeit und ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!

Semper in unitate

André Jesinghaus v/o jesinger