Unitas - ein Name, ein Programm

Die Unitas wurde 1855 von Bonn und Tübingen aus begründet und ist damit der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands.


Übersicht

"Gen-Ethik"

Von:  Unitas Franco-Alemannia

21.05.2019

Starker Semesterauftakt in Karlsruhe


Karlsruhe. Mit dem Ende der Prüfungsphase startet auch wieder das neue Semester der Unitas Franco-Alemannia. Als Semesterthema für das Sommersemester haben Senior Bbr. Emilio Rivera und sein Chargenteam das Thema "Gen-Ethik" gewählt - und dabei bewusst die Unschärfe im Titel gesetzt. "Geschichten aus der Science-Fiction wie ewige Jugend, Designerbabysoder das Ende von Krankheiten scheinen von Tag zu Tag immer realistischer", wie der Vorsitzende in seinem Grußwort zum Programmheft schreibt. Innerhalb weniger Wochen hat sich das Chargenteam zum Ziel gesetzt durch drei Wissenschaftliche Sitzungen, alle von Füxen der Unitas Franco-Alemannia gehalten, eine Breite Wissensbasis für den Festvortrag am Stiftungsfest zu setzen.

"Gentechnik 101"

Das Programm startete mit dem Semestereröffnungsabend. Nach der langen Vorlesungsfreien Zeit freuten sich Aktive und Alte Herren auf diese Begegnung und nach einer kurzen Ansprache des neuen Seniors Bbr. Emilio Rivera begann die erste Wissenschaftliche Sitzung. Unter dem Titel “Gentechnik 101” berichtete Bbr. Rafael Ibrahim über die Definition und Grundlagen der Gentechnik.

Die Gentechnik sei eines von vielen Teilgebieten aus der Biotechnologie und basiere auf der Molekularbiologie und Genetik. Sie wende sich an der Veränderung und Charakterisierung von Erbmaterial. Bei der Übertragung oder dem Einbau von fremden Genmaterial könne das Erbgut von lebenden Organismen gezielt verändert werden, um erwünschte Merkmale hervorzuheben. Dies unterscheide die Gentechnik laut Aussage des Referenten von den "klassischen Methoden der Züchtung, die vollkommen auf Glück basieren".

Schon vor ungefähr 8000 Jahren wurde im heutigen Mexiko das Erbgut des Teosinte-Getreide verändert, um den Ertrag zu erhöhen und ihn Pilzresistent zu machen. Daraus entstanden die Vorläufer der heutigen Mais-Sorten. Trotzdem begann die moderne Geschichte der Gentechnik erst 1971 als Ray Wu und Ellen Taylor eine Sequenz von zwölf Basenpaaren eines Lambdavirus abtrennten. Des Weiteren wurden im Jahre 1977 Methoden zur DNA-Sequenzierung entwickelt und man stellte zum ersten Mal ein menschliches Protein in ein Bakterium her.

Darauffolgend erklärte der Referent die Anwendungsbereiche, in denen die Gentechnik unterschieden wird. Die Rote Gentechnik befasse sich mit der Anwendung im Bereich der Medizin, um diagnostische Verfahren und Arzneimitteln zu entwickeln. Bei der Weißen Gentechnik verändere man Mikroorganismen, um sie in der Mikrobiologie und Umweltschutztechnik einzusetzen. Die Grüne Gentechnik würde auch als Agrogentechnik bezeichnet, da es sich um die Anwendung gentechnischer Verfahren in der Pflanzenzüchtung handelt. Hierbei würden heutzutage grundsätzlich insekten- und herbizidresistente Pflanzen vermarktet.

Anschließend endete der Vortrag mit einer interessanten Diskussion, in der alle Anwesenden ihre Meinung über das Thema allgemein ausdrücken konnten. Somit wurde allen Teilnehmer ermöglicht, die Grundlagen des Semesterthemas zu erlernen, um im weiteren Verlauf des Sommersemesters in Anwendungsbereichen der Gentechnik zu vertiefen. Nach dem Vortrag ließen die Anwesenden den Abend mit einem Imbiss und begeisternden Gesprächen ausklingen.

"Gentechnik - ist sie immer gefährlich?"

Schon eine Woche nach der Semestereröffnung und zwei Tage nach einer erfolgreichen Hausaktion nahmen sich die Aktiven der Frannco-Alemannia Zeit, um tiefer in das Semesterthema "Gen-Ethik" einzusteigen. In seiner Wissenschaftlichen Sitzung näherte sich Neofux Bbr. Márton Kovacs der Fragestellung „Gentechnik – ist sie immer gefährlich?“.

Während in vergangenen Jahrhunderten gentechnische Modifikationen nur über Kreuzungen und somit über die stochastische Weitergabe von Eltern-Genomen an einen Nachfahren möglich waren, ist es mit moderner Gentechnik möglich, Gene gezielt im lebenden Organismus zu verändern.
Dabei sei es jedoch nicht so wie bei den meisten technologischen Entwicklungen, die einfach auf den Markt gebracht und nach Erfolg oder Misserfolg weitergetrieben oder eingestellt werden. Die Gentechnik eröffnet viele innovative Möglichkeiten mit ebenso vielen unabsehbaren Nebenwirkungen, sodass die Gesellschaft gezwungen ist mit ihrem Wissen über die DNA schon im Entwicklungsvorfeld sorgsam umzugehen.

Dass dabei viele Dinge gebe, die kaum hinterfragt und lange etabliert seien, machte der Referent an einem Beispiel aus seinem reichhaltigen Fundus deutlich: Die Synthetisierung von Insulin durch genmanipulierte Bakterien. Allerdings gebe es auch Räume, die noch zu wenig erforscht und / oder zu vielen Nebeneffekten unterworfen seien: Klares Beispiel sei hier die Gentherapie, in der Krankheiten geheilt werden sollen, indem fehlerhaftes Erbgut ausgetauscht wird, bei denen aber der gezielte Einsatz/Transport der Ersatzgene zu den betroffenen Zellen noch unklar sei. Ebenso umstritten - auch in der nachfolgenden Diskussion - sind Genmanipulationen in der Landwirtschaft, die möglicherweise Antibiotikaresistenz von Bakterien, rapide Entwicklungen von Schädlingsarten und unvorhersehbare Kreuzungen mit den „natürlichen“ Arten hervorrufen könnten.

"Ähnliche Bedenken verbleiben dann auch in Zukunft, wenn an der Manipulation von Nutztieren oder gar Menschen geforscht wird. Dennoch bietet die Gentechnik ein so großes Innovationspotential zur Heilung von Krankheiten oder zur Kultivierung ungünstiger Ackerflächen, dass ihre grundsätzliche Ablehnung ebenfalls ein Rückschritt wäre.", so das Fazit von Bbr. Kovács.

Designerbabys - Zwischen Möglichkeit und Moral

Zum Abschluss des WS-Marathons zum Semesterstart durften sich die Karlsruher AHAH und Aktiven noch auf den letzten Vortrag von Neofux Bbr. Luca Meckes zum Thema „Designerbabys – Zwischen Möglichkeit und Moral“ freuen. Mit einem kurzen Ausschnitt aus der Satire-Dystopie „Qualityland“ gab er einen sicher überzogenern, aber doch viel zu gut vorstellbaren Ausblick in die zukünftige Brisanz des Themas: „Standardkinder haben doch kaum noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt!“ Doch wie käme man überhaupt in die Situation sein Kind nach Wahl genetisch einstellen zu können und wie limitiert man die Möglichkeiten auf ein vertretbares Maß?

Via Pränataldiagnostik und Präimplantationsdiagnostik ist es heute schon möglich, bereits im Mutterleib oder vor dem Einsetzen einer befruchteten Eizelle in denselben Aussagen über den Gesundheitszustand des heranwachsenden Organismus zu treffen. Was heute schon gang und gäbe ist, schrammt bereits an der Grenze des Moralverständnisses vieler Menschen: Darf auf Basis der so gewonnenen Informationen die Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch oder die Auswahl einer spezifischen befruchteten Eizelle getroffen werden?

Doch mit CRISPR-CAS ist der Genforschung in den letzten Jahren ein Quantensprung gelungen, der sogar eine beliebige Manipulation der Erbinformation in vivo und auch in vitro erlaubt: Durch Proteine, die Bakterien im Normalfall zur Zerstörung von Viren-DNS ausbilden, kann hier die basengenaue Abtrennung von Strangteilen aus der DNS gelingen. Die Integration von Ersatz-Strängen erfolgt daraufhin durch Reparaturmechanismen der Zellen. Und so tat auch der Referent seine Meinung kund: "Damit hält die Menschheit den Generalschlüssel für eine DNS in den Händen, deren vollständiges Verständnis noch in weiter Ferne liegt." Zwar könnten Krebszellen gezielt zerstört und auch sonst viele Krankheiten geheilt werden, aber gleichzeitig könnten Manipulationen auch Auswirkungen auf bisher nicht in Zusammenhang gebrachte andere Körper- oder Zellfunktionen haben.

Darüber hinaus offenbarten sich ganz neue Ideen zur Entwicklung von Biowaffen und zur Durchsetzung zweifelhafter politischer Ideologien. Bis die CRISPR-CAS-Technologie ganz den Kinderschuhen entstiegen ist und ihre noch teilweise bestehenden Probleme beim Transport durch größere Organismen überwunden hat, muss sich die internationale Forschung zwischen Innovationsfreiheit und Kontrolle eingependelt haben. Und allen Beteiligten war auch nach der anregenden anschließenden Diskussion klar: Wir sollten spätestens dann wissen, ob wir die Augenfarbe unserer Kinder tatsächlich im Katalog aussuchen wollen.

Gut gerüstet für das Semester-Highlight

Mit diesen umfassenden Grundlagen, die insbesondere die Neofüxe der Unitas Franco-Alemannia erarbeitet und den Aktiven und interessierten Alten Herren zum besten gegeben hatten, sind alle thematisch gut gerüstet für das Semester-Highlight am Stiftungsfest: Das Chargenteam konnte Prof. Dr. Klaus-Dieter Jany, Vorstand des Wissenschaftlerkreis Grüne Gentechnik e.V., für den Festvortrag gewinnen. Prof. Jany wird zum Thema "Gentechnik in Lebensmitteln" referieren, ein Thema zu dem ein jeder einen Berührungspunkt hat.