Unitas - ein Name, ein Programm

Die Unitas wurde 1855 von Bonn und Tübingen aus begründet und ist damit der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands.


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Festwochenende in Berlin: Ehrenmitglied Erzbischof Dr. Heiner Koch

Von:  Unitas Berlin

08.01.2018

Berlin. Mitte Dezember in der Bundeshauptstadt: Mehrere besondere Anlässe kumulierten zu einem besonders festlichen Wochenende im Advent! Im Mittelpunkt des 117. Stiftungsfestes der Unitas Berlin stand – nicht nur zeitlich – der Samstagabend, 9.12.2018. In der Pfarrkirche „Heilige Familie“ in Berlin-Lichterfelde, unweit des Unitas-Hauses in der Karwendelstraße, folgten nacheinander Festmesse, Fahnenweihe, Festkommers und Aufnahme von Erzbischof Dr. Heiner Koch als Ehrenmitglied in den Altherrenverein.

Begonnen hatte das Wochenende, das Stiftungs- und Vereinsfest vereinte, am Freitag mit einem Begrüßungsabend als Weinprobe. Gestiftet hatten die hervorragenden Weine Dr. Petra und Dr. Christoph Lehmann, die seit einigen Jahren in Südfrankreich das Weingut „Domaine St. Antoine“ betreiben. Bbr. Christoph Lehmann führte durch den Abend, erzählte von der Begeisterung seiner Familie für dieses aufwändige „Hobby“ und er war es auch, der Monate zuvor bei einer persönlichen Begegnung den recht neuen Berliner Erzbischof gefragt hatte, ob er sich vorstellen könnte, Mitglied der Unitas zu werden. Christoph berichtete, dies sei das „kürzeste Keilgespräch seines Lebens“ gewesen, denn Dr. Koch hatte ohne zu Zögern mit „Ja!“ geantwortet.

Dann war endlich der ideale Zeitpunkt gefunden worden. Dadurch begünstigt, dass Erzbischof Koch zwar sein Büro in der Nähe des Ordinariats in Berlin-Mitte hat, jedoch seine Wohnung nicht im zur Sanierung anstehenden Bernhard-Lichtenberg-Haus neben der St. Hedwigskathedrale nahm, sondern in das Lichterfelder Pfarrhaus gezogen war. So vereinfachte die Nähe von Bischof, Unitas-Haus sowie Kirche und Gemeindesaal den Ablauf.

Festmesse und Fahnensegnung

Die Bischofsmesse wurde mit der Gemeinde unter Beteiligung von Pfarrvikar Konrad Heil und Diakon Bbr. Benno Bolze als Vorabend-Gottesdienst zum 2. Advent gehalten, aber durch das Chargieren der Berliner Aktivitas und die Predigt Kochs kam auch das Gedenken zu Ehren der Verbandspatronin „Maria Immaculata“ vom Vortag nicht zu kurz. Zum Abschluss der Hl. Messe segnete Erzbischof Koch die gerade neu beschaffte Prunkfahne der Unitas Berlin. Nachdem ihre Vorgängerin nach etlichen Jahren verschlissen war, wurde in Karlsruhe eine fast identische Kopie bestickt, die neben den Vereins- und Verbandsfarben Blau-Weiß-Gold auf dem Wappen rund um den Berliner Bären neben dem Gründungsjahr 1900 den Zirkel und die Symbole unserer drei Prinzipien zeigt: die stilisierte Lilie für virtus, eine Eule mit Buch für scientia und zwei Hände für amicitia.

Zu Beginn der Messe hatte der Philistersenior aus unserem Grundgesetz von 1905 zitiert: „Die Unitas feiert ihre Feste mit der Liturgie der Kirche mit gemeinsamer heiliger Kommunion und durch (…) Vereinsfeste, weil sich beim eucharistischen Opfermahl die unitarische Gemeinschaft am tiefsten verwirklicht. Das Fest der Immaculata ist zugleich der Gedenktag für die verstorbenen und gefallenen Bundesbrüder.“ Das wurde an diesem Abend in die Tat umgesetzt, u. a. als auch des 2017 verstorbenen Berliner „Urgesteins“ Dr. Norbert Herkner gedacht wurde.

Kommers zum 117. Stiftungsfest

Nach einem Imbiss, bei dem sich Erzbischof Koch sehr interessiert und offen für die Unitas und die anwesenden Mitglieder und Gäste präsentierte, schlug Senior Nico Fröse im benachbarten Gemeindesaal einen äußerst würdigen Kommers. Noch bevor eine feierliche Burschung und zwei Rezipierungen vorgenommen werden konnten, nahm der Vorsitzende des Altherrenvereins und zugleich des Altherrenzirkels Berlin-Brandenburg, Jörg Volpers, die Aufnahme des Bischofs vor, der sichtlich über Erfahrung nicht nur im Bereich der Karnevalisten und katholischen Schützen verfügt, sondern auch im katholischen Verbindungswesen. Zitat aus der Laudatio: „… Ihrem klaren und spontanen Ja soll auch von uns ein gleichermaßen klares ‚Ja‘ gegenüberstehen. Ja, wir empfinden Ihre Ehrenmitgliedschaft auch selbst als Verpflichtung; die Verpflichtung, Sie in Ihrem Weg brüderlich und auch freundschaftlich zu unterstützen, als Verpflichtung, mit Ihnen gemeinsam in diesem Bistum zu wirken und als Verpflichtung, die frohe Botschaft unseres Herrn in diese Welt zu tragen.“

Nachdem Erzbischof Koch bereits in der Predigt seine Nachdenklichkeit und zugleich seinen missionarischen Eifer gezeigt hatte, hielt er nun als Neumitglied den Festvortrag unter dem Titel: „Respekt, das wäre schon viel“ [Textfassung siehe unitas 1/2018] Er bewies aber auch Humor, in dem er zu Beginn der Kommersrede einen Vergleich zwischen Rheinländern (er selbst und z. B. Philistersenior Volpers) und Westfalen (Präside Fröse) anstellte; und auf den Hinweis eingehend, dass er „gleichzeitig Regimentsbischof der Düsseldorfer und der Kölner Prinzengarde“ sei, meinte er trocken: „Das ist tatsächlich Nobelpreis-verdächtig!“

Besonders betonte Koch den Wert und die Einmaligkeit jedes Menschen: „Wissenschaftler sagen, dass bislang 107 Mrd. Menschen auf der Erde gelebt haben bzw. leben. Jeder dieser Menschen war ganz einmalig mit seinem Körper, seinem Geist, seinen Stärken und seinen Schwächen, seiner Geschichte, seinen Eltern, seinen biographischen Herausforderungen und seiner Endlichkeit. Als Christen bekennen wir, dass die Größe eines jeden Menschen im absoluten Gott absolut begründet ist: Jeder Mensch ist von Gott gewollt und ist und bleibt auch über den Tod hinaus für Gott wichtig und bedeutsam.“ Obwohl Verpflichtungen an den folgenden Tagen bevorstanden, nahm sich Bbr. Koch die Zeit, bis zum Ende des feierlichen Kommerses zu bleiben – nur der anschließende „Ausklang auf dem Haus“ bis in den früheren Morgen musste ohne ihn auskommen.

Vereinsfest

Trotz des langen und feuchtfröhlichen Vorabends war am Sonntag um 11 Uhr wieder eine stattliche und interessierte Zuhörerschar im Kneipsaal präsent, um dem Morgensitzungs-Vortrag von Bsr. Prof. Dr. Verena Lepper zu folgen. Bsr. Lepper, Hohe Dame der Unitas-Clara-Schumann zu Bonn, aber schon einige Jahre am Ägyptischen Museum in Berlin tätig, hatte schon mehrfach Einblicke in ihre vielfältige Forschungsarbeit gegeben und die Bundesbrüder und -schwestern in das Neue Museum auf der Berliner Museumsinsel eingeladen. Dieses Mal referierte sie jedoch über ein aktuelles und spezielles Engagement, nämlich die Arabisch-europäische Forschungszusammenarbeit.

Mit einem erneuten Imbiss und vielen guten Gesprächen klang das besondere Festwochenende am 2. Adventssonntag erst am Nachmittag aus. Zu ihm passt sehr gut die Bibelstelle Phil 1,11, die Koch in seinem Bischofswappen führt: „Gaudete semper. Dominus prope“ / „Freut euch allezeit! Der Herr ist nahe.“  [zu den Lebensläufen der Festredner Bbr. Erzbischof Koch und Bsr. Professor Lepper vgl. „unitas“ 4/2017, S. 288–290]