Unitas - ein Name, ein Programm

Die Unitas wurde 1855 von Bonn und Tübingen aus begründet und ist damit der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands.


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Doch ihr Geist lebt weiter - Besuch der Kieler Unitas bei den Lübecker Märtyrern

Von:  Unitas tom-Kyle zu Kiel

07.12.2017

Ein „Unitas-Insider“ erwartete uns in der Propsteikirche Herz Jesu zu Lübeck, wo uns unser lieber Bbr. Dr Wolfgang Uhl empfing. Es waren weitere Menschen anwesend, die sich der Führung durch die Kirche spontan anschlossen. Doch als Wolfgang sich an die Orgel setzte, konnten nur noch wir ihm folgen.

Nach einem Präludium spielte er die Melodie des uns allen bekannten Liedes an: „Erschalle jetzt, du Bundessang! …“, was er in eine fulminante Improvisation überleitete, die zu einem immer gewaltigeren Klangmeer in der neugotischen Halle anschwoll. In derselben Kirche hatten auch zwei der Lübecker Märtyrer gewirkt. Wann wird es das letzte Mal gewesen sein, dass diese Melodie in der Kirche zu hören war? Altehrwürdige Lieder verbinden uns nicht nur untereinander, sondern auch mit den Menschen, die sie vor uns gesungen haben. Wie viele Generationen haben schon z.B. ein „ubi sunt qui ante nos“ erklingen lassen? Wir Kieler Aktiven waren jedenfalls am Samstag, den 2.12., nach Lübeck gefahren, um das Märtyrerzentrum zu besuchen und einige Alte Herren aus Norddeutschland zu treffen.

Und in gewissem Sinne sind die Lübecker Märtyrer ja gar nicht von uns gegangen. Sie sind Teil von etwas Größerem und ihr Geist lebt unter uns fort. Dies mag einmal das Erklingen des Bundessangs in ihrer alten Wirkungsstätte bezeugen. Zum anderen existiert die Unitas bereits seit 1847, als mit der Unitas Salia zu Bonn der erste Verein gegründet wurde. Die Unitas Ruhrania, in der zwei der Märtyrer, Johannes Prassek und Eduard Müller, aktiv waren, gibt es seit 1911. Das Regime hingegen, in deren Namen man sie ermordete, bestand insgesamt nur 12 Jahre.

Katholischer Bischof zeigt dem NS-Regime die Grenzen auf

Es war die ideale Ouvertüre, um die Besichtigung des Gedenkzentrums zu beginnen.Besonders beeindruckte uns bei der Führung durch Frau Dr. Braun, wie groß der gesellschaftliche Einfluss der Katholischen Kirche sein kann.

Was man den Märtyrern vorwarf und was zu ihrer Verurteilung führte, waren „Wehrkraftzersetzung, Heimtücke, Feindbegünstigung und Abhören von Feindsendern“. Dies war aber nur ein Teil der ursprünglichen Vorwürfe. Ihr Vorbild war Clemens August Graf von Galen gewesen, der Bischof von Münster. In seinen Predigten hatte er das Regime kritisiert und war u.a. für Achtung vor dem Leben eingetreten. Aus dem Begleitheft zur Führung heißt es dazu: „Die Lübecker schrieben die mutigen Predigten des Bischofs ab und verbreiteten sie. Es kam zur gemeinschaftlichen Vervielfältigung und Verbreitung dieser Predigten. Darin ist die eigentliche Ursache für Verhaftung, Prozess und Todesurteil zu sehen.“

Der Bischof besaß eine hohe moralische Autorität. Seine Schriften hatten, auch durch das Werk der Märtyrer, hunderttausende Menschen gelesen. Dabei zeigte sich, dass sein Nimbus zu stark war. Folglich intervenierte Hitler selbst und ordnete an, aus der Anklageschrift alle Bezüge zu von Galen zu entfernen. Somit war es letztendlich ein Stellvertreterprozess. Eigentlich hätte man gerne den Bischof und damit die Katholische Lehre insgesamt, etwa in Fragen des Lebensschutzes, verurteilt.

„Sag niemals drei, sag immer vier“

So traf es nur die Vier: die katholischen Priester Bbr. Johannes Prassek, Hermann Lange und Bbr. Eduard Müller sowie den evangelischen Pastor Karl-Friedrich Stellbrink, die auch heute noch ein leuchtendes Vorbild für die Ökumene sind. Dazu aus dem Begleitheft: „‚Sag niemals drei, sag immer vier!‘, darauf bestand der ehemalige Mitgefangene Adolf Ehrtmann, als er im Frühjahr 1979 im Sterben lag. Eines seiner Kinder hatte ihn damit stärken wollen, er werde bald nun zu ‚seinen‘ drei Kaplänen kommen. ‚Sag niemals drei, sag immer vier!‘ ist auch das gemeinsame Vermächtnis der Lübecker Märtyrer. Ihr Todestag, der 10. November, ist für die beiden großen Konfessionen in Deutschland ein sie verbindendes Datum.“ Und weiter heißt es:

„Sie stehen gemeinsam für die Kirche Jesu Christi, die Unrecht beim Namen nennt, Lüge entschleiert und die Barmherzigkeit Gottes als Quelle des Lebens ehrt. Zusammen sind sie gestorben. Sie wussten sich vor Gott ungetrennt, ‚wir sind wie Brüder‘, bezeugte Hermann Lange. Als Realität haben sie eine Gemeinschaft erfahren, die Trennendes überwindet. Konfessionelle Grenzen waren für sie sekundär geworden. Das muss für uns heute Orientierung und Ansporn sein, dass wir dem folgen, was sie uns vorgelebt haben an Gemeinschaft im Geist, im Glauben und im Handeln."

„Was mich erwartet, ist Freude und Glück“

Wir gingen auch in die Krypta, in der Skulpturen der drei zu sehen sind. Auf dem Boden davor hat man Auszüge aus ihren Abschiedsbriefen eingraviert. Was uns dabei am meisten beeindruckte, ist die Fröhlichkeit, mit der sie in den Tod gingen.

Kaplan Bbr. Johannes Prassek schrieb an seine Familie: „Was mich erwartet, ist Freude und Glück“. […] „Heute Abend ist es nun so weit, daß ich sterben darf. Ich freue mich so, ich kann es Euch nicht sagen, wie sehr. Gott ist so gut, daß er mich noch einige schöne Jahre als Priester hat arbeiten lassen.“

Diese und die Worte seiner Gefährten sind Ausdruck ihrer Frömmigkeit sowie der Gewissheit, den richtigen Weg zu gehen. Das mutige mit Blut besiegelte Zeugnis ihres Glaubens mag auch uns stärken, für den Glauben und die Würde des Menschen einzutreten! Vivat floreat crescat Unitas ad multos annos!

 

Der Autor L. Schultz ist Aktiver der Unitas tom-Kyle zu Kiel

Kontakt: tom-kyle@unitas.org

https://www.facebook.com/UnitasTomKylezuKiel/