Unitas - ein Name, ein Programm

Die Unitas wurde 1855 von Bonn und Tübingen aus begründet und ist damit der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands.


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110 Jahre Unitas in Koblenz

Von:  BOEN

26.10.2017

Unitas-Zirkel Stolzenfels begeht Jubiläum mit Festkommers am Rhein

Koblenz. Begeisternde Freude, funkelnde Gesichter beim Blick auf den Rhein und das Deutsche Eck, unitarische Gemeinschaft und kraftvoller Gesang füllten den Saal beim Festkommers anlässlich des 110-jährigen Bestehens des Unitas-Zirkels Stolzenfels am vergangenen Samstag in Koblenz. Zahlreiche Vertreter des Verbandsvorstands sowie über 100 Bundesschwestern und Bundesbrüder aus Nah und Fern, von Jung bis Alt waren der Einladung des Zirkels zur Feier in Diehl’s Hotel direkt unterhalb der traditionsreichen Festung Ehrenbreitstein gefolgt. Neben der unitarischen (Wiedersehens-)Freude lockte auch der spannende und gleichzeitig etwas andere Festvortrag von Bbr. Willibert Pauels, aus Karneval und Domradio auch besser bekannt als „Ne bergische Jung“ zum Thema „Die heilende Kraft der anderen Perspektive“.

Die Geschichte des Unitas-Zirkels Koblenz geht zurück ins Jahr 1907 – über die Gründerzeit selbst existieren heute jedoch keine Dokumente mehr. Doch schon von jeher blühte der Zirkel in Koblenz fernab der großen Universitätsstädte und bot vielen Bundesbrüdern eine Heimat, wie den zahlreichen Rundschreiben und Berichten der damaligen Vorstände zu entnehmen ist. Von Beginn an pflegte der Zirkel gute Kontakte zu den Aktivenvereinen in Bonn. So kam es im Jahre 1964 auch zum unitarischen Höhepunkt durch die Gründung des Aktivenvereins Unitas Mosella-Rhenania, die auch dem Zirkel einen weiteren Höhenflug verschaffte, über 50 Mitglieder zählte er zu dieser Zeit. Doch die Studentenunruhen von 1968 gingen auch an der Unitas Mosella-Rhenania nicht spurlos vorbei: sie wurde im Jahre 1971 aufgelöst. Der Zirkel blieb jedoch weiter aktiv, so dass sich die Unitarier der Region zu gemeinsamen Ausflügen, Wissenschaftlichen Sitzungen, Weinproben oder Kostümfesten trafen. Schon früh nahmen zudem Damen der unitarischen Studentinnenvereine am Zirkelleben teil und fanden in diesem eine unitarische Heimat.

Der Präside des Abends, Bbr. Sebastian Gies, konnte gemeinsam mit seinen Conchargen der Unitas Trebeta (Trier) eine stattliche Anzahl an Gästen in der Corona begrüßen: Der Vorstand des Unitas-Verbandes hatte es sich nicht nehmen lassen, den Feierlichkeiten beizuwohnen: so ehrten sowohl der Vorortspräsident Bbr. Simon Konermann (Unitas-Salia), der Vorsitzende des Altherrenbundes Bbr. Dr. Dr. Thomas Lohmann (Unitas Vindelicia), die Vorsitzende des Hohedamenbundes Bsr. Maria Schulze-Oechtering (Unitas Clara Schumann) als auch die neu gewählte Verbandsgeschäftsführerin Bsr. Barbara Czernek (Unitas Maria Montessori) den Zirkel mit ihrer Anwesenheit. Neben weiteren Verbandsamtsträgern sowie Vertretern der örtlichen Zirkel der befreundeten Corporationen von CV und KV komplettierten Chargenabordnungen des Vorortsvereins Unitas-Salia (Bonn) sowie der Aktivenvereine der Unitas Clara Schumann (Bonn) und  des K.D.St.V. Nordgau-Prag (Koblenz) die Gästeschar.

Grund genug also, mit „Gaudeamus igitur“ in den Abend zu starten und das 110-jährige Jubiläum gemeinsam zu feiern. Frei nach dem Motto der altbekannten Weise „Die Gedanken sind frei“ teilte auch der Festredner des Abends, Bbr. Willibert Pauels (Unitas Ripuaria), auf seine ganz eigene Art seine Erfahrungen und Ansichten rund um „Die heilende Kraft der anderen Perspektive“. Der geweihte Diakon, der vor allem aus seinen Auftritten in 17 Jahren professionellem Karneval bekannt ist, hatte das Dreigestirn aus „Kirche, Karneval, Klapse“ in den Mittelpunkt seines Festvortrags gestellt. So amüsant das Thema dargestellt wurde, so ernst ist es zugleich: mehr als fünf Millionen Menschen in Deutschland leiden wie auch er viele Jahre unter dem „schwarzen Hund“ - der Depression . Sein Humor und die Möglichkeit, immer wieder die Perspektive zu wechseln, hätten ihm dabei geholfen, mit dieser Krankheit zurecht zu kommen. „Der beste Humor ist, wenn man über sich selbst lacht“, so Pauels. Bei Depressionen würden gut gemeinte Ratschläge des Umfeldes oft nichts nützen, da sie den Betroffenen nicht erreichten. Professionelle Hilfe in guten Kliniken sei dabei unabdingbar, denn vieles im Leben ruhe immer auch auf einer Säule der Gedanken, die an diesen Orten professionell gestützt werden könnte. Der entscheidende Punkt für den Katholiken ist dabei, sich die Möglichkeit zu erarbeiten und zu bewahren, die Perspektive zu wechseln: „Es sind nicht die Dinge entscheidend, sondern wie ich die Dinge sehe, welche Perspektive ich zu den Dingen einnehme.“ Mit Anekdoten aus seiner Diakon- und Karnevals-Zeit untermauerte er diese These aus gesellschaftlichen und religiösen Gesichtspunkten. Dem aufmerksamen Zuhörer trieb er immer wieder ein lautes Lachen oder Schmunzeln ins Gesicht. „Das Lachen besiegt die Angst, es ist durch seine Perspektive über den Dingen!“, so die Meinung des Festredners, „nur wer über den Dingen steht, kann sie belächeln“.

Die gesamte Corona war so mit genügend Gesprächsstoff  versorgt und diskutierte die ermunternden Worte des Bundesbruders. Auch die anschließenden Grußworte der Verbandsvertreter nahmen Bezug zur Heiterkeit des Vortrags und beglückwünschten den Zirkel zum beeindruckenden Jubiläum und der unitarischen Blüte rund ums Deutsche Eck. Nach vielen netten Begegnungen, Gesprächen und der gemeinsamen Feier waren sich alle einer Sache sicher: der Zirkel Koblenz wird auch in Zukunft der unitarischen Gemeinschaft einen sicheren Hafen geben und dient als Vorbild für all die Regionen in Deutschland, in denen das Zusammenleben in den Zirkeln zwischen Jung und Alt, Damen und Herren (noch) nicht auf eine solche Basis bauen kann.