Unitas - ein Name, ein Programm

Die Unitas wurde 1855 von Bonn und Tübingen aus begründet und ist damit der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands.


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Zur Mitte – Mai 2020

Von:  Beirat für Kirchenfragen

04.05.2020

Ver-rückte Zeiten
                 – »Siehe, ich bin bei euch«     

Ver-rückte Wochen liegen hinter uns. In denen ein kleines Virus unsere Selbstverständlichkeiten unseres Alltags aufgebrochen hat. Plötzlich sind Berufs-, Studiums- und Familien-Alltag, Urlaubs- und Freizeitplanung in Frage gestellt und mussten neu sortiert werden. Vieles hat sich reduziert – vor allem die direkte zwischenmenschliche Begegnung, der selbstverständliche Händedruck oder die Umarmung zur Begrüßung, der Austausch in der Kaffeepause, gemeinsame Sportaktivitäten, Kaffee und Kuchen mit den Großeltern oder mit Freunden, Zusammenkommen mit den Bundesbrüdern und Bundesschwestern. All das ist gestrichen. Gottesdienstbesuche und sogar die Feier der Kar- und Ostertage in der Kirche vor Ort, mit den anschließenden Feierlichkeiten im Kreis der Liebsten waren ein Ding der Unmöglichkeit. Zur Unterbrechung der Normalität und der eigenen Pläne können Sorgen um sich und seine Nächsten, Gefühle von Enge, Überforderung und Ohnmacht hinzukommen. Angesichts der gegebenen Einschränkungen und Herausforderungen, bei all dem was gerade nicht verantwortbar und unmöglich ist, sind aber gleichzeitig neue Ideen und kreative Lösungen entstanden: Um sich gegenseitig zu unterstützen, für einander da zu sein und um die Zeit mit einander möglichst gut zu bewältigen.                      
Mit großem Engagement wird in vielen Kirchengemeinden der Frage nachgegangen, wie kann trotz und in der aktuellen Situation (Glaubens-)Gemeinschaft aktiv gelebt und Gottesbegegnung möglich werden? Messen, Rosenkranz- und Taizé-gebete werden live im Internet gestreamt, Wortgottesdienste werden initiiert und per Videokonferenz kann gemeinsam gebetet und gesungen werden. Packete zur Gestaltung der Kar- und Ostertage und andere Impulse werden verschickt. Klar ist natürlich, dass die physisch erlebte Glaubens-, Gottesdienst- und Gebetsgemeinschaft nicht einfach ins Digitale übersetzt – geschweige denn gänzlich ersetzt – werden kann. Und trotzdem kann anerkennend gesagt werden: Neue Wege werden gesucht und eröffnet, um die Nähe Gottes erfahrbar werden zu lassen.

»Siehe, ich bin bei euch alle Tage« (Mt 28,20) 
Diese Zusage gibt Jesus seinen Jüngern ganz am Ende des Matthäusevangelium. Aber sie gilt auch uns im hier und heute. ER geht mit – durch diese Zeit. Auch wenn es uns momentan vielleicht schwer fällt, diese Zu-sage anzunehmen und darauf zu vertrauen. Weil die uns vertrauten Begegnungsorte, in denen wir an seine Gegenwart erinnert werden und sie für uns erfahrbar wird  – in der Feier der Heiligen Messe, gemeinsame Beten des Vater Unsers oder des Vereinsgebetes, oder auch in einem guten Gespräch bei einer Tasse Kaffee oder auf ein gemeinsames Bier, in der Begegnung mit dem Anderen oder der festen Umarmung, die von ganzem Herzen kommt – momentan für uns nicht oder nur sehr schwer (auf) zu finden sind.

In dieser ver-rückten Zeit – aber auch in der Zeit danach – wünsche ich jedem von uns einen dieser Momente, wie ihn die beiden Jünger am Ende des Lukasevangeliums auf ihrem Weg nach Emmaus (Lk 24,13–35) erlebt haben: Ein Erlebnis, eine Begegnung, ein paar treffende Worte genau zur richtigen Zeit, in der wir die Nähe Gottes erleben, die uns im Innersten berühren, die uns die Augen öffnen und uns neue (Lebens-)Perspektiven schenken. Sodass wir –auch wenn erst – im Rückblick sagen können: Brannte uns nicht das Herz in der Brust?! Wir sind getroffen von seinen Worten und seinem Mitgehen. Wir haben erfahren: ER ist da – ER geht mit uns!

 

– Bsr. Anna Katharina Frerichmann