Unitas - ein Name, ein Programm

Die Unitas wurde 1855 von Bonn und Tübingen aus begründet und ist damit der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands.


Übersicht

50. Todestag: Pater Joseph Kentenich SAC

Von:  Unitas-Verband e.V.

11.09.2018

„Kentenich, Josef – Pater SAC – 5424 W. Bluemound Road, Milwaukee 8 Wisc. / USA (H 19) M6“ - dieser für manchen rätselhafter Eintrag findet sich im Gesamtverzeichnis der UNITAS im Jahre 1968. Der damals mit US-amerikanischer Adresse angegebene Pater und Bundesbruder ist niemand anderer als der Gründer der weltweiten Schönstatt-Bewegung. Am 15. September jährt sich sein Todestag zum 50. Mal. Vor fast 100 Jahren schloss er sich dem Unitas-Verband an: Am Mittwoch, 3. Dezember 1919, wurde er als „Auswärtiger Inaktiver“ bei Unitas Rolandia in Münster aufgenommen und blieb zeitlebens Mitglied.

Geboren wurde er am 18. November 1885 in Gymnich bei Köln und wuchs ab 1894 im St.-Vinzenz-Waisen¬haus in Oberhausen auf. Seiner berufstätigen und frommen Mutter offenbarte er schon bei der Ersten Hl. Kommunion, Priester werden zu wollen. 1899 trat er bei den Pallottinern in Ehrenbreitstein in das Gymnasium ein. Am 24. September 1904 wurde er in das Noviziat der Pallottiner aufgenommen und verbrachte die folgenden sieben Jahre im Mutterhaus der deutschen Pallottiner in Limburg, 1906 folgte die erste Profess, zwei Jahre später die ewige Profess, am 8. Juli 1910 wurde er zum Priester geweiht. Nach dem Abschluss des Theologiestudiums ging er 1911 als Lehrer an die Nachwuchsschule der Pallottiner in Ehrenbreitstein und wurde 1912 Spiritual des Studienheims in Schönstatt, einem Ortsteil von Vallendar bei Koblenz.

Hier ging endlich ging sein Traum in Erfüllung: 1914 approbierte das Bistum Trier seine Statuten für die von ihm gegründete Schüler-Kongregation. Sie setzte in ihrem „Liebesbündnis“ auf einen persönlichen Glauben, betonte die Gemeinschaft und die Ausrichtung des Lebens an Idealen und Vorbildern, unter denen bis heute Maria eine ganz besonders herausgehobene Stellung einnimmt. Die neue Gemeinschaft übernahm eine Michaels-Kapelle, die Pater Kentenich der „Mater ter admirabilis, der Dreimal Wunderbaren Mutter" widmete. Diesen Titel trug seine 1916 gegründete kleine Zeitschrift, die er an die zum Krieg eingezogenen Mitgliedern der Kongregation, Gymnasiasten und Studenten schickte. Dabei traf er erstmals auf die Unitas, die ihren an der Front stehenden Mitgliedern ebenfalls mehrere Tausend literarische Feldgaben versandte.

Der Krieg hinterließ 1918 ein in vieler Hinsicht traumatisiertes Land. Unter den Unitas-Vereinen, die sich jetzt neu gründeten, herrschte ein völlig neuer Geist. So auch in Münster, wo am 17. Juli 1919 in Münster die Unitas Rolandia als neustudentisch ausgerichteter sechster Unitas-Verein am Ort ins Leben gerufen wurde. Bereits am 3. Dezember 1919, erklärte hier Pater Kentenich als „Auswärtiger Inaktiver“ seine Mitgliedschaft – so nachzulesen im „Schwarzen Brett der UNITAS“. Hier fand er mit dem Lebensbundsprinzip, den Verbandsfesten und in der beson¬ders verehrten Maria Immaculata große Gemeinsamkeiten.

Den Anstoß zum Eintritt gab der aus Dortmund-Hörde stammende Schönstätter und dekorierte Leutnant d.R. Alois Zeppenfeld. Er hatte sich als Theologiestudent in Münster der Unitas Rolandia bereits im Oktober 1919 angeschlossen, prägte die wissenschaftlichen Themen und übernahm 1920 den Vorsitz der Münsteraner Unitas-Vereine. Im WS 1920/21 wurde Bbr. Zeppenfeld zum Senior gewählt und setzte im Sommer 1921 sein Theologiestudium in Paderborn fort. Hier schloss er sich der ebenfalls neustudentisch ausgerichteten Unitas Angrivaria an und gehörte ihr als Generaldispensierter bis 1924 an. Alois Zeppenfeld wurde am 10. August 1924 in Paderborn zum Priester geweiht, er starb am 12. September 1954 in Bochum und ist auf dem Propstei-Friedhof in Wattenscheid bestattet.

Die seit den 1920er Jahren stark wachsende Schönstattbewegung und Bbr. Kentenich selbst kamen früh in das Fadenkreuz der Nazis: 1939 schloss die GeStaPo das Studienheim Schönstatt, zwei Jahre darauf kam Bbr. Kentenich in Koblenz vier Wochen in Dunkelhaft. Am 13. März 1942 wurde er in das KZ Dachau eingeliefert, hatte dort Kontakt zu Bundesbrüdern aus der Unitas, gründet zwei Schönstatt-Gemeinschaften, hielt Vorträge und sogar Exerzitien, bis er nach drei Jahren am 6. April 1945 das KZ ver¬lassen konnte. Häufige Auslandsreisen prägten die ersten Nachkriegsjahre von Bbr. Kentenich, der rastlos für den Aufbau der sich zunehmend internationalisierenden Schönstattbewegung und für ihre kirchliche Anerkennung wirkte. Vor 70 Jahren - 1948 - erteilte die Religiosenkon¬gregation ein „nihil obstat" zur kanonischen Errichtung der 1926 gegründeten Gemeinschaft der Marien¬schwestern. Doch seine offene Kritik am Bericht einer Visitation durch einen Trierer Weihbischof brachte Bbr. Kentenich in Konflikte: Es folgte eine Untersuchung durch das Heilige Offizium. Ein päpstlicher Visitator enthob Bbr. Kentenich am 31. Juli 1951 seines Amtes als Geistlicher Direktor der Marien-schwestern, am 30. September er¬ließ er ein Aufenthaltsverbot für Schönstatt und am 1. Dezember 1951 bestimmte er, dass er als Lei¬ter seines Werkes abgesetzt sei und Europa zu verlassen habe. Als Auf¬enthalt wurde ihm die Niederlassung der Pallottiner in Milwau¬kee/Wisconsin zugewiesen - dort wirkte Bbr. Kentenich anschließend 13 Jahre als Seelsorger für Deutsche.

Der Kontakt mit seinem Werk wurde weitgehend unterbunden, 1964 wurde es von den Pallottinern getrennt. Bis ein Telegramm eintraf: Es beorderte ihn 1965 nach Rom, Papst Paul VI. erteilte ihm die Dispens und rehabilitierte ihn und er erhielt die Dispens zum Übertritt in den Diözesanklerus des Bistums Münster, wo sich sein alter Freund, Bundesbruder aus der Unitas, der Weihbischof und spätere Bischof von Münster Heinrich Tenhum¬berg für ihn eingesetzt hatte. Bbr. Tenhumberg übernahm im glei¬chen Jahr den Vorsitz des Gene¬ralpräsidums des Schönstattwerkes. Pater Kentenich, inzwischen 80-jährig, widmete sich gleich wieder mit voller Kraft dem Aufbau seines Werkes, das mittlerweile weltweit Verbreitung gefunden hatte. Unmittelbar nach der Feier der heiligen Messe starb er am 15. September 1968 in der Sakristei der Anbetungskirche in Schönstatt. Für seinen Grabstein wünschte er sich in Anlehnung an Kardinal Newman die Worte „Dilexit Ecclesiam" / Er liebte die Kirche.

Zum 60. Jahrestag der Grün¬dung des Schönstattwerkes, am 18. Oktober 1974, genehmigte der HI. Stuhl die Eröffnung des Seligspre¬chungs-Prozesses, der am 10. Februar 1975 durch den Bischof von Trier feierlich eröffnet wurde. Das seit laufende „Kentenich-Jahr" der internationalen Schönstatt-Bewegung geht am 15. September 2018 ihrem Höhepunkt zu: Zum 50. Todestag lädt sie zu einem Besuch am Grab Pater Kentenichs in der Dreifaltigkeitskirche auf Berg Schönstatt und zur Erneuerung der Bereitschaft, seine geistliche Inspiration für heute zu verwirklichen. Den Schlussgottesdienst am Sonntag, 16. September, 10 Uhr, zelebriert Bbr. Reinhard Kardinal Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.

Heute gibt es weltweit etwa 200 Schönstattzentren mit einer Nachbildung des Urheiligtums in Schönstatt. Viele Millionen Menschen in über 130 Ländern auf allen Kontinenten stehen mit der Bewegung in Verbindung, neben dem deutschsprachigen Raum besonders in Lateinamerika, Spanien, Portugal, den Vereinigten Staaten und Indien sowie einigen afrikanischen Ländern.