Unitas - ein Name, ein Programm

Die Unitas wurde 1855 von Bonn und Tübingen aus begründet und ist damit der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands.


Übersicht

140. Generalversammlung in Bonn

Von:  Unitas-Verband e.V.

27.05.2017

Verbandsmesse

Traditionell fand am Samstagmorgen der Generalversammlung die Verbandsmesse als geistlicher Höhepunkt statt, bei der auch immer der im vergangenen Jahr verstorbenen Bundesschwestern und Bundesbrüder gedacht wird.

Die bis auf den letzten Platz besetzte Kapelle auf dem Venusberg bot den passenden Rahmen, diese Messe in der unitarischen Gemeinschaft zu begehen. Zelebrant Bbr. Pfr. Stefan Wingen machte in der Predigt allen Mut, die wie die Jünger Jesu in der Zeit vor und nach Pfingsten an einer Schnittstelle, einem Lebensumbruch stehen. Sei es der Wechsel vom Elternhaus ins Studium, vom Studium in den Beruf, eine Hochzeit oder das Ende des Lebens: "Wir sind alle beschenkt mit einer der göttlichen Gaben - Weisheit, Rat, Stärke, Wissenschaft, Frömmigkeit und Gottesfurcht. Sind darin nicht auch zentral unsere unitarischen Prinzipien virtus, scientia und amicitia zu erkennen? Egal an welcher Schnittstelle des Lebens wir stehen, wir dürfen sicher sein, dass diese Gaben, diese Prinzipien uns prägen, verändern und uns und damit auch unseren Freunden helfen!" In jeder Lebenslage sei das helfende und bestärkende Miteinander unter Bundesbrüdern und Bundesschwestern wichtig und werde umso leichter durch den Einsatz unserer ganz eigenen Gaben.

Podiumsdiskussion

Inhaltlicher Höhepunkt am dritten Versammlungstag: "Die Bedeutung der Religionen in einem künftigen Europa" stand als Diskussionthema des hochkarätig besetzten Podiums auf dem Programm. Unter der Moderation von Johannes Schröer, stv. Chefredakteur des domradio in Köln, diskutierten Dr. Timo Güzelmasur, Geschäftsführer der CIBEDO, Prof. Dr. Dr. Claude Ozankom, Professor u.a. für Fundamentaltheologie an der Universität Bonn, sowie Samir Bouaissa, Landesvorsitzender des Zentralrats der Muslime NRW.

Dr. Güzelmasur berichtete zunächst vom interreligiösen Treffen im Außenministerium in der vorangegangenen Woche. Dies zeige, wie Politik die religiösen Menschen ansprechen und sie in die Friedensarbeit einbinden könne. Verständigung zwischen den Religionen sei unabdingbar, da die Konflikte heutzutage immer mehr eine religiöse Konnotation bekämen. "Wichtig ist, dass es kurze Wege zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften gibt, durch kurze Wege werden Eskalationen von auftretenden Problemen verhindert", so das erste Statement des promovierten Theologen.

Auf die Nachfrage bezüglich der aus Wuppertal bekannten "Scharia-Polizei" wies Bouaissa darauf hin, dass sich alle Moscheen in Wuppertal zu einem Interessensverband zusammengeschlossen hätten, um der Gefahr von Salafisten und Extremisten entgegenzutreten. "Das Problem ist, dass die Salafisten die anderen religiösen Gruppierungen, auch Muslime als vom Glauben abgefallen erklären", meint der CDU-Politiker Bouaissa. Dies vereinige alle anderen Religionsgemeinschaften im Auftreten gegenüber diesen extremistischen Strömungen.

Professor Ozankom sieht das Problem darin begründet, dass im Gegensatz zum katholischen Glauben eine Instanz fehle: "Wer soll jetzt sagen, das ist der richtige Islam? Wer entscheidet, was das Richtige ist?". Die Interpretationshoheit für die Theologie sei nicht nachhaltig festgelegt. Dr. Güzelmansur ergänzt, dass die Fachstelle der Deutschen Bischofskonferenz für den christlich-islamischen Dialog mit allen Akteuren sprechen würden, welche sich in Deutschland anböten: "Wer die Hoheit des Staates anerkannt und wer uns als Gläubige ansieht, der erfüllt die Kritierien für einen Dialog". Den daraus auch für die Katholiken resultierenden Balanceakt zwischen Wahrheitsanspruch und dem gleichzeitigen Eingeständnis einer nicht allein selig machenden Religion sieht Prof. Ozankom als große Herausforderung. Durch Dignitate Humanae, Nostra aetate und Lumen Gentium 16 habe die katholische Kirche hier allerdings den richtigen Schritt gemacht: "Wir müssen Ja sagen zum eigenen Glauben, aber dürfen die anderen nicht verteufeln". Auch Bouaissa sieht das als Problem: "Jede Religionsgemeinschaft ist der Meinung, sie habe die Wahrheit. Das wichtige ist jedoch, den anderen zu akzeptieren und zu respektieren."

Als wesentlichen Baustein für ein friedliches Miteinander der Religionen in einem künftigen Europa sieht Dr. Güzelmasur die Kommunikation – beim Bau von Moscheen in Deutschland habe man beispielsweise gelernt und schaffe mittlerweile deutlich mehr Transparenz, als das zu Beginn der Fall gewesen sei. Wichtig sei hierbei, keinen selektiven Umgang mit der Wahrheit oder mit Fakten zu betreiben. Genau dies betont auch Prof. Ozankom, indem er fordert: "Wir müssen dialogbereit bleiben".

Nach einem kurzen Diskurs zur Rolle der Türkei in einem zukünftigen Europa kommen die Teilnehmer des Podiums nochmals auf die Rolle der Religionen in einem künftigen Europa zu sprechen. Kern der Überlegungen und Diskussionen ist die Säkularisierung, die auch von einigen Wortbeiträgen des Plenums unterstrichen wird.
Die übereinstimmende Meinung des Podiums ist, dass weiter der Dialog zwischen den verschiedenen Religionen gefördert werden muss, da dies eine der wichtigsten Säulen für die Rolle der Religionen in Europa sei. Prof. Ozankom verdeutlicht diese Rolle am Ende der Diskussion nochmals bildlich: "Die Religionen müssen der Stachel im Fleisch sein – Religion muss immer wieder artikulieren und fragen: Tragen wir durch unser Tun zum Frieden bei? Sind wir noch in der richtigen Spur?"

Feierlicher Festkommers

Mit dem feierlichen Festkommers in der Stadthalle von Bad Godesberg neigt sich die Generalversammlung dem Ende zu. Viele Chargenteams aus ganz Deutschland schmücken den von Bbr. Julian Volz (Unitas-Salia) vorbildlich geschlagenen Kommers.

Als einer von zahlreichen anderen Vertretern aus Geistlichkeit und Politik konnte Alexander Graf Lambsdorff, stv. Vorsitzende des Europaparlaments, begrüßt werden. In seiner Festrede betonte er zunächst seine besondere Nähe zur Unitas – auch er sei korporiert, setze sich für Europa ein und wohne in derselben Straße wie die Heimatstätte der Unitas-Salia. Freiheit, Sicherheit und Wohlstand seien die gemeinsamen europäischen Werte, die es zu erhalten gelte. "Doch Europa ist heutzutage in der Krise, strategisch, demokratisch und wirtschaftlich", so der Festredner. Im Gegensatz zu früher würden die Probleme jedoch nun nicht mehr im Schützengraben, sondern am Konferenztisch gelöst. Die Geopolitik sei aber weiterhin eines der strategischen Probleme, wie sich am Beispiel der Krim zeige: "Wenn wir beginnen, in Europa Grenzen gegen den Willen der Betroffenen zu verschieben, laufen wir Gefahr, wieder in die alten Zeiten zu verfallen.", meint Graf Lambsdorff. Der in vielen Ländern aufkeimende Populismus befeuere die demokratische Krise. Als Demokraten müssten wir dem Populismus entgegentreten, fordert der Europaparlamentarier: "Wir benötigen Lösungen, nicht Sprüche!" Auch die wirtschaftlichen Herausforderungen vor allem in Südeuropa gefährde den dauerhaften Frieden. Ziel müsse daher ein intelligentes, nachhaltiges und alle einschließendes Wirtschaftswachstum für ganz Europa sein – Europa müsse sich als Einheit sehen. Am Schluss seines Vortrags appelliert der Europapolitiker an alle Versammelten, sich weiter für Europa einzusetzen: "Wir leben in einem geeinten Europa aller Menschen –erhalten wir uns diese Freiheit, beten wir für den Frieden und arbeiten wir für unser Europa."