Unitas - ein Name, ein Programm

Die Unitas wurde 1855 von Bonn und Tübingen aus begründet und ist damit der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands.


Übersicht

Aktiventag in Aachen: Workshops, Domführung und Festkommers

Von:  Unitas-Verband

16.11.2014

Workshops in großer Bandbreite

Inhaltlicher Schwerpunkt der Aachener Aktiventage: in zahlreichen Vorträgen und Workshops können sich die studentischen Teilnehmer mit verschiedenen Bereichen der Hochschulpolitik auseinander setzen.

Bbr. Dr. Michael Garmer legte den Fokus in seinem Vortrag auf das Thema "Erfolgreiches Studium = berufliche Chancenmaximierung?". Zunächst stellte er die Frage, was denn ein erfolgreiches Studium sei und betrachtete anschließend verschiedene Facetten des beruflichen Erfolgs. Das Studium sei hierzu eine notwendige, allerdings nicht hinreichende Bedingung - so seine These. Durch das außeruniversitäre Engagement, beispielsweise in der Unitas, lerne man viele wichtige Soft Skills, die die beruflichen Chancen voranbringen würden.

Überfüllte Mensen, brechend volle Hörsäle und Horden von 18-Jährigen Schulabgängern. Dies sind nur einige Herausforderungen denen Prof. Aloys Krieg, Prorektor für Lehre an der RWTH Aachen, gegenübersteht. Nur durch aufwändige Verwaltungssysteme und neue Lernformen sei der Qualitätsstandard an den Massenuniversitäten zu halten. Zwar würden Online-Lernangebote, wie Vorlesungsvideos, nie Präsenzveranstaltungen komplett ersetzen können, doch seien sie der richtige Weg zum multimedialen Lernen. All das gäbe es allerdings nicht "zum Nulltarif" und so nennt Prof. Krieg die nachhaltige Finanzierung der Lehre eines seiner größten Anliegen.

Unter dem Titel „Wissenstransfer im Zeitalter der digital natives“ referierte Prof. Dr. Heribert Nacken (RWTH Aachen) fesselnd über die veränderte Mediennutzung der aktuellen Studierendengeneration. Zusätzlich beleuchtete er ihre sich in diesem Kontext wandelnden kognitiven Eigenschaften, die anders als die der vorhergehenden Generationen u.a. stärker von visuellen Reizen geprägt seien. Diese neuen Eigenschaften gingen jedoch unter anderem einher mit einer kürzeren Konzentrationsspanne und Aufmerksamkeitsdefiziten, was in neuen Lernstrategien münde und was die Lehrenden der Hochschulen vor neue Herausforderungen in Bezug auf die mediale Aufbereitung ihrer Lehrinhalte stelle. Der Professor für Hydrologie stellte den Aktiven als Lösungsansatz den Bereich des "Blended Learning" vor, das als "gemischte" Lernform zwischen traditionellen und neuen Lehr- und Lernmethoden eine Brücke schlagen und vielfältige individuelle Lernweisen aufgreifen kann.

„Der Zufall spielt nirgendwo eine größere Rolle als bei akademischen Karrieren“, stellte Max Weber schon 1917 fest. Fast 100 Jahre sind seitdem vergangen, doch verändert habe sich seitdem fast nichts, so Bbr. Prof. Dr. Sebastian Schmidt-Hofner (Unitas Franko-Saxonia Marburg). In seinem Vortrag legt der Althistoriker dar, mit welchen Problemen angehende Doktoranden zu kämpfen haben. Auch dass die eigentlichen Schwierigkeiten der wissenschaftlichen Karriere – in Deutschland mehr als anderswo im internationalen Vergleich – erst nach der Promotion warten: Ein nicht von der Leistung abhängiges Glückspiel sei der Karriereschritt des Post-Docs. Befristete Stellen, unklare Bezahlung und dank sehr niedriger Einstellungszahlen für unbefristete Professuren ein enormer Wettbewerb machten dem akademischen Nachwuchs das Leben schwer, so Schmidt-Hofner.

Frauke Schick, Referatsleiterin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), referiert zum Thema „Internationales Studium und Fördermöglichkeiten des DAAD“. Nach einer kurzen Vorstellung des DAADs mit seinen Zielen und Aufgaben, legt sie den Fokus auf die konkreten Förderungsmöglichkeiten für Studenten. Kernelement bildeten dabei die Anforderungen an einen DAAD-Stipendiaten, die durch unitarisches Engagement in vielen Bereichen bereits ausgefüllt werden.

Dr. Gerhard Gudergan, Leiter der Geschäftsbereich Forschung am „Institute for Industrial Management“ der RWTH Aachen, legte in seinem Workshop  „Schnittstelle Universität-Wirtschaft als Innovationstreiber“ den Fokus auf das Projekt Industriecampus. Durch den Plan einen Standort für die unterschiedlichsten Industriebereiche durch Joint Ventures oder Cluster zu schaffen, befördere man Gemeinschaftsprojekte zwischen mehreren Lehrstühlen und Industriezweigen. Die Bündelung an einem Ort habe vor allem das Ziel Innovationen schneller voran zu treiben. In seinem Fazit erläuterte Dr. Gudergan die Vorteile des Industriecampus - während das alte Bild der forschenden Universität sehr langsam Innovationen schuf, sei dies durch die neue Art der Vernetzung im Industriecampus-Konzept deutlich verbessert.

Eindrücke zum Kaiserdom

Die Führung durch den Aachener Dom führte die Studierenden unter Leitung von Domkapitular Bbr. Dr. August Peters vom bronzenen Portal aus karolingischer Zeit durch das Oktagon im Zentrum und über die langgestrecke Chorhalle mit den Karlsschrein bis hoch auf die Empore mit dem Thron Karls des Großen, der aus Bodenplatten des Hauses des Pilatus erbaut sein soll. Bbr. Peters füllte seine Führung mit zahlreichen Anmerkungen über die Historie und Architektur des Gebäudes und die Zeit Karls des Großen und baute zur Freude der teilnehmenden Aktiven immer wieder heitere Anekdoten ein. Ein schöner Vorgeschmack auf den Festvortrag beim abendlichen Festkommers zur karolingischen Bildungsreform!

Festkommers in der Couvenhalle

Neben zahlreichen Chargenteams und die die Couvenhalle bis auf den letzten Platz besetzenden Aktiven konnte Präside Bbr. Malte Sievers (Unitas Assindia Aachen) Vertreter des Verbandvorstands und den Festredner des Abends Bbr. Prälat Dr. August Peters begrüßen. Peters legte in seinem Festvortrag mit dem Titel „Die karolingische Bildungsreform“ den Fokus zunächst auf die Lebensgeschichte Karl des Großen. „Diese Persönlichkeit wird in Aachen mit ungemein vielen Attributen geschmückt“, so der Festredner. Dargestellt werde Karl der Große meist als defendor ecclesiae, denn er habe neben dem Wissen immer auch die Suche nach der Gemeinschaft der Kirche und die Suche nach dem Sinn, der über den Alltag hinausgehe, als wichtig empfunden. Karl der Große habe großen Wert auf die Kirche als Träger der Bildung gelegt. Mit Trivium und Quadrivium, den sogenannten Sieben Künste, die er studiert hatte, war ihm das einheitliche Verständnis von Grammatik und Rhetorik wichtig. Peters verband die Aspekte des Quadriviums, das vor allem die Zahlenlehre zum Inhalt hatte, mit Karls Bestrebungen und Intentionen zum Bau des Aachener Doms.

Die zentralen Fragen der karolingischen Bildungsreform benannte Bbr. Dr. Peters wie folgt: „Was wird vermittelt? Wie und wo wird Bildung vermittelt? Und wer tut das?“ Karl der Große habe es für elementar gehalten, dass keine Pfarrei gegründet werde, bei der der Pfarrer nicht Lesen und Schreiben konnte. Ziel sei die Bildungseinheit der Kirche gewesen. „Es geht nicht um Strukturen,  also um die Einrichtung einheitlicher Schulsysteme, sondern darum herauszufinden, welche Inhalte es wert sind vermittelt zu werden“. Dass genau diese Problematik auch heute noch aktuell ist, betonte Bbr. Dr. Peters in seinem Schlusswort: „Diese Frage hat nichts an ihrer Aktualität verloren.“

Gekonnt und souverän führte Präside Bbr. Sievers durch den weiteren Verlauf des Festkommerses, dem Vorortspräsident Bbr. Moritz Findeisen (Unitas Freiburg) in seinem Grußwort noch ein i-Tüpfelchen aufsetzte: „Unitas hilft uns im Studium Verantwortung zu übernehmen, sie gibt uns Struktur und vor allem das, was die meisten von uns an ihrem Studienort nicht haben: eine Familie.“

Nach dem schallend verklungenen „Aachen, freier Musensöhne“ endete der Festkommers und die Aktiventagsteilnehmer ließen den Abend noch gesellig ausklingen.