Unitas - ein Name, ein Programm

Die Unitas wurde 1855 von Bonn und Tübingen aus begründet und ist damit der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands.


Übersicht

Zur Mitte

Von:  Beirat für Kirchenfragen

02.06.2017

Da Ketzer so grob klingt, verwendet die akademische Sprache eher den Begriff „Häretiker“ – das meint jemanden, der einen Teilaspekt herausreißt und verabsolutiert: Damit wird in der Regel alles schief. Ob man indes dem „Zwang zur Häresie“ (Peter Berger) grundsätzlich entkommen kann, ist eine andere Frage…

Nicht fraglich dürfte sein, dass Martin Luther zunächst lediglich eine akademische Thesensammlung diskutiert wissen wollte, was innerhalb der gängigen Meinungsvielfalt der Theologien seiner Zeit herzlich unspektakulär war. Was die ganze Sache dann doch zu einem unschönen kirchentrennenden Spektakel werden ließ, dürfte an einer beschleunigten Popularisierung (Buchdruck!) und politischen Trittbrettfahrerei (Herrschaft über die Kirche!) liegen. Luther selbst dürfte durch seine Ruppigkeit nicht unbedingt mäßigend gewirkt haben – aber wenn einem etwas entscheidend wichtig ist, wird man schon mal deutlich.

So sehr Luther in unterschiedlicher Weise als Gallionsfigur ge- oder missbraucht wurde: Er ist zunächst ein frommer Mensch des Spätmittelalters – vormodern bis auf die Knochen! Fremdheit ist jedoch keine Häresie und ist auch nicht zu verurteilen. Papst Leo X. (kein Vorbild an Hirtenfürsorge!) verurteilte in der Tat 1520 ein Sammelsurium tatsächlicher oder vorgeblicher Positionen jenes „Mönchleins“ aus der deutschen Provinz; etliche scholastische Spitzfindigkeiten lassen uns Heutige mit großen Fragezeichen in den Augen zurück.

Was fraglos zu einem Urteil (auch seitens der protestantischen Seite!) herausfordert, ist der auch damals vom Papst beargwöhnte Satz Luthers, der freie Wille sei nur dem Namen nach etwas: also nur Schall und Rauch, bestenfalls eine irrige Illusion. Wer „Kirche der Freiheit“ sein will, wird dies ablehnen müssen (oder ein Sophist werden!). Ob indes die Häresie einer Verabsolutierung göttlicher Obrigkeitshoheit zu Ungunsten der errungenen normativen Freiheitsrechte der Moderne (bei aller Überforderungstendenz!) auch in meiner, der katholischen, Theologie gebannt ist, ist ebenfalls eine andere Frage. Die forsche These (nicht rein akademisch!) wäre zu wagen, dass es nicht so ist…

Bbr. Oliver Wintzek