Unitas - ein Name, ein Programm

Die Unitas wurde 1855 von Bonn und Tübingen aus begründet und ist damit der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands.


Übersicht

140. Generalversammlung in Bonn

Von:  Unitas-Verband e.V.

28.05.2017

Pontifikalamt mit Kardinal Woelki im Bonner Münster

In der von zahlreichen Chargenteams begleiteten Messe im Bonner Münster betonte Kardinal Woelki, dass es bereits zur Gründungszeit des Unitas-Verbandes keineswegs selbstverständlich gewesen sei, als Akademiker Katholik zu sein. Genau dieses Gleichgewicht aus Vernunft und Glaube, zu dem sich bereits die Gründungsväter der Unitas bekannt hätten, müsse auch heute weiter Bestand haben. Das Christsein sei in erster Linie ein Mysterium auf Grund der Liebe zwischen Gott und den Menschen, in denen Gott sich selbst als Liebe gebe. "Als in Verbänden organisierte akademische Katholiken kommt uns eine Schlüsselstellung mit einer damit einhergehenden Verantwortung zu", so der Zelebrant. Der Glaube sei dabei Gabe und Aufgabe zugleich, die Welt in der wir leben, in eine gerechtere und gottgerechtere Welt zu wandeln.

Festakt mit Prof. Dr. Dr. Bernd Irlenborn

Im Anschluss an das Pontifikalamt im Bonner Münster fand im Kammermusiksaal neben dem Beethovenhaus der Festakt zum wissenschaftlichen Abschluss der 140. Generalversammlung statt.

Prof. Dr. Dr. Bernd Irlenborn (Theologische Fakultät Paderborn) sprach als Festredner zur Fragestellung "Europa als christliches Abendland?". Besonders in Zeiten der Krise würden politische Gremien die sogenannten "gemeinsamen Werte" Europas hochhalten, die anders als beispielsweise reine Finanzdiskussionen, die Basis des Zusammenlebens bildeten. Doch was bezeichnet man mit dieser Begrifflichkeit? Schnell wird offensichtlich, dass dies Auslegungssache ist und kein allgemeiner Verständniskanon definiert ist.

In Bezug auf den Titel der Veranstaltung setzte Irlenborn die Zuhörer im Kammermusiksaal über die Herkunft und mögliche Problematiken des in der Öffentlichkeit oft postulierten "christlichen Abendlandes" in Hinblick auf historische, semantische und regionale Aspekte in Kenntnis. Schon in der Romantik wurde dem europäischen Kernland mit Verweis auf das karolingische Vorbild eine christliche Prägung zugeschrieben. Der Begriff des "christlichen Abendlandes" als Synonym für Europa jedoch sei diskussionswürdig. Zur Verdeutlichung stellte der Redner die über die Jahrzehnte bis heute wechselhafte Geschichte unterschiedlicher Begriffsdeutungen und -nutzungen vor. Hilfreicher und semantisch klarer sei es, Europa als Ort der Verwirklichung der Demokratie auf der Basis christlicher Grundideen zu verstehen, so wie es auch der Unitarier und "Geburtshelfer Europas", Robert Schuman tat, um die europäische Integration zu ermöglichen: die christliche Idee des Universalismus, die übersetzt werden kann in den Begriffen der allgemeinen Menschenwürde beziehungsweise der Gleichheit aller Menschen, bildet dafür die praktische Grundlage. Die in den europäischen Demokratien festgeschriebene Trennung von Kirche und Staat unterbindet ein theokratisches Europa – die Mitgliedsstaaten und auch die EU selbst müssen sich demnach religiös neutral verhalten. Das soziale und politische Handeln jedes einzelnen Menschen jedoch kann durchaus je nach persönlicher Prägung religiös fundiert sein. So kann das Christentum mit den Aspekten des Gottesglaubens–der Mensch sei nicht der Herrscher und Schöpfer der Welt–, der Überwindung des Egoismus und des Eintretens für das Gute als Wiege des heute in Europa gängigen Rechts- und Sittenbewusstseins gelten. "Wie christlich Europa auch in Zukunft ist, hängt somit vom Einsatz jedes einzelnen Christen ab!", schloss der Redner und rief  dazu auf, seinen Glauben in Europa zu leben und zu bekennen.

Vorortspräsident Niklas Bensiek (Unitas Sugambria) schloss die Veranstaltung mit einem Dank an alle, die die Generalversammlung durch ihren unermüdlichen Einsatz im Hintergrund und auf den Bühnen möglich gemacht hatten.

Hervorragend musikalisch untermalt wurde der Festakt von einem Streichertrio, die dem Ort entsprechend op. 9 Nr. 2 D-Dur von Ludwig van Beethoven erklingen ließen.