Unitas - ein Name, ein Programm

Die Unitas wurde 1855 von Bonn und Tübingen aus begründet und ist damit der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands.


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R.I.P. - Bbr. Kardinal Vlk ist mit 84 Jahren gestorben

Von:  Unitas-Verband e.V.

18.03.2017

Bbr. Miloslav Vlk, Kardinal und Alterzbischof von Prag, erlag heute im Alter von 84 Jahren seinem Krebsleiden. Weit über Tschechien hinaus genoss er als eine der prägenden Gestalten der Kirche in Mittel- und Osteuropa nach dem Sturz des Kommunismus hohes Ansehen. Seit der politischen Wende von 1989 setzte er sich mit ganzer Kraft für den Wiederaufbau der katholischen Kirche seines Landes ein, bemühte sich lange um die Restitution des von den Kommunisten verstaatlichten Kircheneigentums und scheute dabei auch nicht Gerichtsprozesse mit dem Staat. Große Verdienste erwarb er sich um die Aussöhnung zwischen Tschechen und Deutschen. Der UNITAS ist war er seit 1991 verbunden: Beim Altherrenbundstag im Kloster Niederaltaich verlieh ihm der Verband die Ehrenmitgliedschaft.

Vom Fensterputzer zum Kardinal

Schon früh hatte sich der am 17. Mai 1932 im südböhmischen Liznice Geborene entschlossen, Priester zu werden. Da die tschechoslowakischen Kommunisten sämtliche Seminare auflösten, arbeitete Vlk zunächst als Monteur in der Fabrik „Motor Union“ und absolvierte den Militärdienst, bis ihm der Staat den Besuch einer Hochschule gewährte. Er studierte Archiv-Wissenschaften und wurde Direktor des Bezirks- und Staatsarchivs in Budweis. 1964 nahm er das Theologiestudium in Litomerice (Leitmeritz) auf, wurde im Juni 1968 zum Priester geweiht und in der Seelsorge tätig. Als ihn 1978 die Behörden mit einem Berufsverbot belegten, schlug er sich mit Gelegenheitsarbeiten durch, arbeitete unter anderem als Fensterputzer, wirkte aber heimlich im Untergrund als Seelsorger. Erst 1986 erhielt er wieder die staatliche Erlaubnis, als Priester arbeiten zu dürfen.

Nach der „Samtenen Revolution“ 1989 wurde Vlk 1990 Bischof von Budweis, ein Jahr später ernannte ihn Papst Johannes Paul II. als Nachfolger von Kardinal Frantisek Tomasek zum Erzbischof in der Hauptstadt, 1993-2000 war er Vorsitzender der Tschechischen Bischofskonferenz, zugleich von 1993-2001 Vorsitzender im Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), 1994 verlieh er ihm die Kardinalswürde, 1994-2012 gehörte Bbr. Vlk dem Päpstlichen Rat für die sozialen Kommunikationsmittel und 1994-2012 der Kongregation für die Ostkirchen an.

In seine Amtszeit als Prager Erzbischof (1991-2010) fielen starke Auseinandersetzungen mit Regierungen und Parlament zur Klärung ungelöster Fragen im Verhältnis von Staat und Kirche. Über Jahre stritt Vlk etwa mit dem tschechischen Staat um den Besitz des gotischen Veitsdoms auf der Prager Burg, den das höchste Gericht letztlich dem Staat und nicht der Kirche zusprach. Zudem gab es viele Kontroversen um ein Religionsgesetz, das die kirchliche Sozialarbeit beschränkt, und um die sehr schwierigen Staat-Kirche-Beziehungen in Tschechien, dem am stärksten entkirchlichten Land des früheren Ostblocks. Wiederholt warnte Bbr. Vlk vor fortschreitender Säkularisierung in Europa. Sie werde die geistigen und moralischen Grundlagen des Westens gefährden.

Bbr. Miloslav Vlk ist vielfach ausgezeichnet worden: 1999 erhielt Vlk das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, 2001 den Internationalen Brückepreis der Stadt Görlitz, 2001 die Masaryk-Medaille, 2002 den Tomás˘-Garrigue-Masaryk-Orden. 2006 bekam der Ehrendoktor der Universitäten Passau und Oppeln die erstmals verliehene Nepomuk-Medaille der Ackermann-Gemeinde und den Europäischen Sankt-Ulrichs-Preis für seine Verdienste um die Versöhnung in Europa verliehen, 2010 den Kulturpreis Karl IV. des Kulturvereins Aachen-Prag e.V. – Ehrungen, die seinem persönlichen Lebenszeugnis wie seinem ökumenischem und europäischem Engagement galten.

Seine schwere Erkrankung war zu Jahresbeginn diagnostiziert worden und löste eine Welle von Solidaritätsbekundungen aus. Auch Papst Franziskus hatte Vlk in einem Telefonat aus dem Vatikan Genesungswünsche übermittelt, was dem Kardinal nach eigenen Worten noch einmal Lebensmut gab.

Requiescat in pace.