Unitas - ein Name, ein Programm

Die Unitas wurde 1855 von Bonn und Tübingen aus begründet und ist damit der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands.


Übersicht

185. Geburtstag von Bbr. Franz Hülskamp

Von:  Unitas-Verband e.V.

14.03.2018

Er gründete die Unitas in Münster, war erster Generalsekretär des Zentralkomitees der katholischen Vereine Deutschlands, Mitgründer der Görres-Gesellschaft wie der Zentrums-Partei und prägte wie wenige andere die katholische Kirche in seiner Zeit: Bbr. Prälat Dr. Franz Hülskamp. Am 14. März 1833, heute vor 185 Jahren, wurde er in Essen im oldenburgischen Münsterland geboren.

Seine spätere Tätigkeit war ihm nicht in die Wiege gelegt: Er wächst in armen Verhältnissen als Sohn eines Webers auf, kann nach zweijähriger Vorbereitung durch den Dorfgeistlichen jedoch 1849-1852 das Gymnasium Carolinum in Osnabrück besuchen. Sein Studium der Theologie, Geschichte, Literaturwissenschaft und der alten und neuen Sprachen führt ihn bis 1858 für ein Semester nach Münster, vier Semester nach München, wieder für ein Jahr nach Münster und für zwei Jahre nach Bonn, wo er sich der Unitas anschließt und 1859 zum Priester geweiht wird.

Zurück in Münster, ist Franz Hülskamp am 26. Januar 1859 auch maßgeblich an der Gründung der dortigen Unitas beteiligt - sicher zu Recht wird er nach Hermann Ludger Potthoff als der „2. Gründer der Unitas“ bezeichnet. Sechsmal hintereinander bleibt er ihr Präses (Senior) und mischt sich aktiv in die innere Ausgestaltung des inzwischen in Bonn, Tübingen und Münster tätigen Verbandes ein: Jedes Mitglied hat sich nun beim Hochschulwechsel sofort Verein am neuen Ort zu melden, mit allen Rechten und Pflichten, die in gemeinsamen Statuten festgelegt sind. Seine Anregung zu jährlichen Generalversammlungen aller aktiven und früher aktiven Unitarier führt zur 1. Generalversammlung am 18. September 1860 in Düsseldorf. Dort schließen sich die ehemaligen Aktiven, die noch „Ehrenmitglieder“ genannt wurden, zur „klerikalen Unitas“ zusammen – ein erster Schritt zur Organisation der Alten Herren im Unitas-Verband.

Der 27-jährige junge Geistliche steht für eine aktive Auseinandersetzung mit den Geschehnissen der Zeit und fordert sie auch von den Unitas-Mitgliedern: Franz Hülskamp selbst sucht sie in der Wissenschaft und mit seiner ausgeprägten journalistischen Begabung in einer äußerst fruchtbaren publizistischen Tätigkeit. 860-1863 übersetzt er mit seinem Landsmann Bbr. Hermann Rump, ebenfalls Mitbegründer der Unitas-Münster, die Übersetzung und durchgreifende Neubearbeitung der angesehenen „Universalgeschichte der katholischen Kirche“ des französischen Abbé Réné François Rohrbacher. Aus den wissenschaftlichen Sitzungen der Unitas geht gleichzeitig 1861/62 die Gründung der von Hülskamp und Rump herausgegebenen Rezensionszeitschrift „Literarischer Handweiser“ hervor, mit dem sie vom katholischen Standpunkt aus regelmäßig über die Neuerscheinungen in der Literatur berichten.

Nach dem Tod von Rump zeichnet Hülskamp, der in Münster zudem die Tageszeitung „Westfälischer Merkur“ fest in der Hand hält, von 1875 bis 1904 als alleiniger Herausgeber für das preisgünstig angebotene Organ verantwortlich, das schnell, leicht verständlich und vollständig über katholische und ausgewählte nichtkatholische Neuerscheinungen informiert. Neben einer inhaltlichen Zusammenfassung bietet er eine Einschätzung und Bewertung der Werke, vor allem Biographien, Bibliographien, literaturgeschichtliche Werke und wichtige allgemeine Nachschlagewerke und Zeitschriften. An den Bedürfnissen des Buchhandels orientiert, erscheint es zunächst in 10, dann 12, 18 und schließlich 24 Ausgaben im Jahr. Mit mehreren Tausend Abonnenten entwickelt es sich zum meistverbreiteten Literaturblatt Deutschlands und ist bis heute wertvolle Quelle. Die von ihm herausgegebene Reihe „Meisterwerke unserer Dichter für Volk und Schule“ (73 Bände, Münster 1879ff.) wird bis 1933 in mehr als einer Million Exemplare in den verschiedensten Schultypen verbreitet, sein 1874 von ihm übernommener „Deutscher Hausschatz in Wort und Bild“ macht ab 1879 u. a. den bis dahin noch unbekannten Schriftsteller Karl May bekannt. Bis 1904 bleibt Hülskamp verantwortlicher Redakteur, erst in der Wirtschaftskrise 1930 musste die Zeitschrift ihr Erscheinen einstellen.

Franz Hülskamp, der Bestseller-Autor

Für seine Leistung bei der Übersetzung und Herausgabe der Universalgeschichte der Katholischen Kirche promoviert ihn die theologische Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg 1868 zum Doktor der Theologie honoris causa. Im selben Jahr nimmt er eine Tätigkeit als Sekretär des katholischen Piusvereins auf. Doch die angestrebte Lehrtätigkeit an einer Hochschule wird ihm in Preußen verwehrt, weil das Kultusministerium die Promotion nicht anerkennt. 1869 legt Hülskamp nach einem dreimonatigen Studienaufenthalt in Rom eine Biografie über Pius IX. vor, die in kürzester Zeit zum Bestseller wird. Sein Auskommen sichert ab Ende 1869 die Stiftung Heerde, ein Konvikt von Bürgersöhnen, die am Gymnasium Paulinum in Münster studierten. Dem Konvikt steht er bis zuletzt als Präses vor. 

„Eine umfassende Dissertation über Franz Hülskamp wäre notwendig, um seine vielseitigen Verdienste auf kirchlichem, politischem, wissenschaftlichem und literarischem Gebiet sowie seine Förderung von katholischen Talenten zu würdigen“ – so notierte Bbr. Dr. Ludwig Freibüter in seinem für Band I des Unitas-Handbuchs verfassten Lebensbild: „Sein Einfluss auf das katholische Deutschland in der 2. Hälfte des 19. und im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts kann nicht überschätzt werden.“ 

Denn in zahlreichen Vereinigungen hatte Hülskamp wichtige Positionen inne, so etwa von 1860-1874 als Sekretär der Münsterischen Abteilung des Vereins für Vaterländische Geschichte und Altertumskunde Westfalens, 1864-1874 wiederholt als Präsident des Florentinus-Vereins für christliche Kunst, ab 1872 als Vorstandsmitglied im Westfälischen Provinzialverein für Wissenschaft und Kunst, 1878 als Mitgründer des Augustinusvereins für die katholische Presse und ab 1894 als Vorsitzender des Augustinusvereins/Gruppe Westfalen. Er pflegt starke Kontakte zu den Katholiken in den Nachbarländern und gehört am 25. Januar 1876, dem 100. Geburtstag von Joseph Görres, als Vorstandsmitglied und Berater zu den Gründern der „Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft im katholischen Deutschland“. 1884 wird er Initiator der Gründung des historischen Instituts der Görres-Gesellschaft in Rom.

Vor dem im Mai stattfindenden 101. Katholikentag 2018 in seiner Stadt Münster ist nicht zuletzt daran zu erinnern, dass er zu seiner Zeit auch hier bereits einen entscheidenden Beitrag geleistet hat: Denn bei der 19. Generalversammlung Anfang September 1868 in Bamberg veranlasste Bbr. Franz Hülskamp die Gründung eines „Ständigen Komitees“. Es sollte als „perpetuierlicher Mittelpunkt für das Vereinswesen“ die Beschlüsse der Generalversammlungen in der Praxis umsetzen und die Tagungen vorbereiten. Das Gremium bestellt ihn sofort zum ständigen Sekretär – der erste in der Ahnenreihe der Generalsekretäre des ZdK. Als ihn das Plenum des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (Zdk) am 29. April 1983 zu seinem 150. Geburtstag würdigte, erklärte Zdk-Präsident Prof. Dr. Hans Maier: „Ein so vielseitig tätiger Mann wie Franz Hülskamp spielte ganz selbstverständlich auch eine bedeutende Rolle in den „Generalversammlungen der katholischen Vereine Deutschlands“. 

Tatsächlich geht Hülskamp damals zügig zur Sache: 1869 gibt er in Frankfurt die Broschüre „Die Generalversammlung der katholischen Vereine Deutschlands. Eine kurze Schilderung ihres reichen Segens“ heraus. In ihr umreißt er die Aufgaben der Katholikentage und führt darin den Nachweis, „dass die jährlichen Generalversammlungen der katholischen Vereine Deutschlands ein Institut sind, welches geschaffen werden müsste, wenn es gottlob nicht schon geschaffen wäre; welches erhalten, gepflegt und gefördert werden muss, da es einmal vorhanden ist; und zwar weil es erstens für die Teilnehmer, zweitens für die Versammlungsorte will, drittens für das ganze katholische Deutschland von den segensreichsten Folgen begleitet ist.“ 

Sein leidenschaftliches Plädoyer beschreibt die bisherigen Bemühungen um Organisation, Abläufe und inhaltliche Debatten, die Art des Austauschs und der Auseinandersetzung, der Beteiligung von Laien und Klerikern, die auf geschlossenen und öffentlichen Podien miteinander ganz neu ins Gespräch kommen – und dies in einem sich immer dichter verknüpfenden Organisationsnetz des katholischen Volksteils, der neben den missionarischen und caritativen Initiativen, sozialen Standesvereinen und Kongregationen ausdrücklich auch die katholischen Studentenverbindungen einschließt. Sie sollen Wege zur Lösung von Fragen miteinander aushandeln lernen, ganz neu miteinander in Kontakt kommen, sich gegenseitig anreden und begeistern, um ihren Glauben stärker auch öffentlich präsent zu machen. Widerspruch lässt Hülskamp in seiner Streitschrift nicht gelten:

„VI. Aber, wendet man mir ein, das sind alles Worte, Worte, nichts als Worte; wie ihr denn überhaupt auf euren vielgepriesenen Generalversammlungen nur sprechet und nicht handelt, nur Worte machet, Reden haltet, keine Thaten zeuget. 

Darauf habe ich eine dreifache Antwort. Ich sage erstens: Worte sind nach Umständen auch Thaten. Oder ist es etwa keine That, wenn 2000 Katholiken, die in ihrer Heimat und meist über die Grenzen derselben hinaus, Klang und Einfluss haben, einhellig es vor aller Welt verkünden, was sie in diesem oder jenem Falle für Recht und was für Unrecht halten? Wenn sie laut und feierlich protestieren gegen die Vergewaltigungen in Polen und Italien, in Österreich und Baden? Wenn Sie den großen Kämpfern für die Freiheit und das Recht der Kirche ihre Huldigung aussprechen? Wenn sie in klaren, festen Sätzen die Befreiung der Kirche vom Joche der staatlichen Bevormundung, die praktische Durchführung der konfessionellen Parität ohne Hintansetzen der Katholiken, die Festhaltung des Rechtes der Kirche wie der Familie auf die Schule mit allem Nachdruck fordern? Wenn sie endlich die ewig wahren Grundsätze der bürgerlichen und gesellschaftlichen Ordnung im Anschluß an die einschneidendsten Zeitfragen immer aufs Neue verkünden?

Und ist es ferner keine Tat, wenn ein beredter Mund die Tausende, die vor ihm sitzen, durch seine flammenden Worte zu begeistern weiß, dass sie ihre ganze Kraft einsetzen für die Erringung und Wahrung der rechtmäßigen Freiheit der katholischen Kirche, der katholischen Erziehung und Schule, für die geistige und sittliche Bildung des Volkes nach der Lehre und Übung der katholischen Kirche, endlich für die Linderung der sozialen Übel? (...) Das sind freilich zunächst Worte, nichts als Worte, aber Worte, die zu Thaten rufen, und die oft und vielerwärts zu Thaten werden.“ (S. 17) 

Für fast vier Jahrzehnte prägt Bbr. Franz Hülskamp das Wachsen und Werden des Zentralkomitees mit seiner außerordentlich aktiven, produktiven Persönlichkeit als Generalsekretär mit. Als ständiges Mitglied des Zentralkomitees bleibt er engagierter Mitarbeiter auf den Katholikentagen, immer wieder verzeichnen ihn Berichtsbände als Ausschussvorsitzenden, zumeist für Fragen der Wissenschaft und Presse, der christlichen Kunst und der Schule. Häufig tritt er als Redner und Antragsteller auf, geschätzt für seine anregende und gewinnende Arbeit für die katholische Bewegung. Dass neben seinem Talent auch das unitarische Umfeld seine Überzeugungen mitbestimmt haben wird, darf man mit Recht annehmen.

Doch es drängt ihn auch in die Politik: Ohne besondere Ämter zu bekleiden, nimmt er als Mitbegründer in der westfälischen Zentrumspartei bis 1906 eine bedeutende Rolle ein. Für die Partei verfasst er nicht nur Wahlaufrufe, sondern gestaltet 1870 das Soester Programm führend mit, das maßgeblich für die weitere Entwicklung des politischen Katholizismus in Deutschland werden sollte. Hier fasst Hülskamp Vorarbeiten der Parlamentarier von Mallinckrodt und Schorlemer-Alst zusammen, gibt ihnen eine neue Gestalt und setzt eigene, insbesondere sozialpolitische Akzente. Er fördert zahlreiche Wissenschaftler und Politiker, sorgt für die Besetzung von Lehrstühlen und Wahlkreisen. 1886 zum Päpstlichen Geheimkämmerer und später zum Hausprälaten ernannt, unterstützt er bis zu seinem Tod Hedwig Dransfeld in der Redaktionsarbeit der Zeitschrift „Die christliche Frau“ des Katholischen Deutschen Frauenbundes. 

Hülskamps weitgespannte lebenslange Tätigkeiten sind in seinem außerordentlich produktiven publizistischen Wirken dokumentiert. Doch fehlen heute wichtige Quellen – auch für seine langjährige Arbeit als Generalsekretär des Zentralkomitees zur Vorbereitung der Katholikentage, die ab 1898 mehr und mehr neue Aufgaben in Kirche und Gesellschaft aufgreifen. Dabei wirkt sich auch das in 50 Jahren geschulte Bewusstsein zur Mitverantwortung der Laien für die Kirche und ein gestiegenes Selbstbewusstsein aus. Von Hülskamps äußerst reger Korrespondenz zeugen rund 20.000 Dokumente seiner von Pater Paschalis Meyer geordneten Briefsammlung, die allerdings im Jahre 1924 zerstört wurde. Nur ein Rest von ca. 230 Korrespondenzen aus dem Zeitraum 1855-1907 ist im Staatsarchiv Münster erhalten.

Hülskamps Nachfolger im Amt wird ab 1906 ebenfalls ein in Münster tätiger Bundesbruder: Prof. Dr. Adolf Donders (Unitas Burgundia) bleibt bis 1921 Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholikentage. Als Bbr. Franz Hülskamp am 10. April 1911 in Münster stirbt, trauert das katholische Deutschland um ihn. An seinem Grab chargieren fünf münstersche Unitas-Vereine. Sein Grab auf dem Zentralfriedhof in Münster, das mit einer Gedenktafel an den Gründer der Unitas-Münster versehen ist, wurde lange Zeit nach alter Tradition von der Unitas Frisia gepflegt. 

cb