Unitas - ein Name, ein Programm

Die Unitas wurde 1855 von Bonn und Tübingen aus begründet und ist damit der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands.


Übersicht

Kaiserin Adelheid Symposium - 25 Jahre unitarische Studentinnenvereine

Von:  Unitas-Verband e.V.

15.06.2017

Liebe Bundesschwestern,
liebe Bundesbrüder,

25 Jahre unitarische Studentinnenvereine in Marburg und Bonn - das sollte gesondert gefeiert werden! Zu diesem Zweck gibt es im November eine außergewöhnliche Verbandsveranstaltung, das "Kaiserin Adeheid Symposium" zu der Aktive wie Philistrierte, Bundesschwestern wie Bundesbrüder gleichermaßen eingeladen sind.

Ziel der Veranstaltung ist eine Rückschau auf die Geschichte und Entwicklung der unitarischen Damenvereine. Die "Frauenfrage" wurde vor 25 Jahren kontrovers diskutiert. Der damalige Vorsitzende des Altherrenbundes Bbr. Ltd. Min. Rat. a.D. Günther Ganz hat sich für die Vollintegration der Studentinnenvereine in den Unitas-Verband eingesetzt. Als ein Vertreter des unitarischen Reformkreises befürwortete Bbr. Dr. Markus Heubes ein Zwei-Säulen-Modell. Es gibt noch heute Bundesbrüder, die die Entwicklung, die der Unitas-Verband in Bezug auf die Studentinnenvereine genommen hat, ablehnen. Diese Ablehnung schlägt sich in dem Umstand nieder, dass bislang noch kein Studentinnenverein ohne Gegenstimme in den Unitas-Verband aufgenommen werden konnte. Geichzeitig ist vielen jüngeren Bundesschwestern und Bundesbrüdern nicht näher bekannt, welche Kontroversen um die Aufnahme der Frauen innerhalb unseres Verbandes  damals geführt wurden und bis heute nachwirken. Das Kaiserin Adelheid Symposion bietet somit die Gelegenheit, sich mit der Genese der unitarischen Studentinnenvereine reflektiert auseinanderzusetzen und Zeitzeugen des damaligen Geschehens zu befragen.

Trotz aller Kontroverse war die Gleichwertigkeit von Mann und Frau im Unitas-Verband niemals umstritten. Bereits innerhalb der EU kann dies offensichtlich nicht behauptet werden. Am 2.3.2017 erklärte der polnische EU-Abgeordenete Janusz Korwin-Mikke im europäischen Parlament im Kontext der Equal-Pay-Debatte: "Of course women must earn less than men because they are weaker, they are smaller, they are less intelligent, they must earn less. That's all." Korwin-Mikke ist für seine diskriminierende Äußerung gemäß den Richtlinien des EU-Parlaments bestraft worden. Dennoch belegt seine Formulierung, dass die Gleichwertigkeit der Geschlechter immer noch ein keineswegs selbstverständliches Desiderat ist.

Debatten um Frauenrechte verweisen in der Regel auf die Erfolge der Suffragettenbewegung sowie die Entwicklung seit den 1970er Jahren. Gerne wird Dr. Angela Merkel als Vorreiterin genannt, weil sie Deutschlands erste Bundeskanzlerin ist. Historisch gesehen ist dieser Umstand gar nicht so bemerkenswert. Es hat immer wieder Frauen an der Spitze eines Landes gegeben, z.B. die Pharaonin Hatschepsut im Alten Ägypten. Außerordentlich jedoch war die gemeinsame Regentschaft im Hause der Ottonen. Neben ihrem Gemahl Otto I war Kaiserin Adelheid Mitregentin (consors regni, particeps imperii), gleiches galt in der Folge für den Sohn Otto II mit seiner Frau Kaiserin Theophanu. Die christlichen Ottonen herrschten als Familie. Kaiser und Kaiserin regierten auch nach außen sichtbar gleichberechtigt. Politisches Zentrum ihrer Herrschaft war Magdeburg, das als neu errichtetes Erzbistum Ausgangspunkt für die angestrebte Slawenmission wurde.

Die außergewöhnliche und überaus erfolgreiche Herrschaft der Ottonen kann für uns ein leuchtendes Vorbild sein! Bezeichnen wir die Unitas nicht gerne als "Familie"? Alt-Herrenbund und Hohe-Damenbund haben satzungsgemäß dieselben Rechte und Pflichten. Wenn wir Dame oder Bursche werden schwören wir, uns in der Kirche und für den Staat einzusetzen. Innerhalb des Unitas-Verbandes bemühen wir uns den katholischen Glauben zu befördern. Die Parallelen zu den Ottonen könnten nicht offensichtlicher sein.

Mit der christlichen Kaiserin Adelheid als Patronin unserer Jubiläumsfeier steht die Frage im Raum, inwiefern sich durch das Christentum Veränderungen hinsichtlich des Miteinanders zwischen Männern und Frauen ergeben haben. Zwei Bundesschwestern werden uns entsprechend über das Verhältnis zwischen den Geschlechtern in der Antike vor und nach der Entstehung des Christentums informieren. Ganz im Sinne der scientia gilt es also den Blick zu weiten, um ein umfassenderes Verständnis für die Gegenwart zu gewinnen.

Selbstverständlich wollen wir nicht bei der Betrachtung der Vergangenheit stehen bleiben sondern mit einem Kommers feiern, dass die unitarischen Studentinnenvereine weiter blühen und gedeihen - jetzt auch in Münster. Gaudeamus igitur!

Zum Abschluss wollen wir uns über die Zukunft der Studentinnenvereine austauschen. Inspiriert durch Adelheid und unsere neu gewonnen Erkenntnisse darüber, wie sich im Laufe der Geschichte das Miteinander von Mann und Frau entwickelt hat, ergeben sich hoffentlich neue Ideen für unser unitarisches Miteinander - nicht nur in Marburg, Bonn, Gießen, Köln, Heidelberg, Essen und Münster!

In diesem Sinne hoffe ich auf rege Teilnahme!

Semper in unitate,
Maria Schulze-Oechtering
(Vorsitzende des Hohe-Damenbundes)

Kaiserin Adelheid Symposium

des Verbandes der Wissenschaftlichen Katholischen Studentenvereine Unitas e.V. in Magdeburg
3. November - 5. November 2017
anlässlich 25 Jahre unitarische Studentinnenvereine

Programm

Tagungsort ist, wennn nicht anders angegeben, Roncalli-Haus, Max-Josef-Metzger-Str. 12/13, 39104 Magdeburg 

Freitag, 3. November 2017

bis 17.30 Uhr

individuelle Anreise

18.00 Uhr

Abendessen

19.30 Uhr

Bsr. Prof. Dr. Verena Lepper, Die Rolle der Frau im Alten Ägypten (Vortrag)

Samstag, 4. November 2017

9.30 Uhr

Bsr. Anna-Maria Semper, Zwischen geistlicher Partnerschaft und Separation. Vom Miteinander der Geschlechter in der frühchristlichen Tradition (Vortrag)

11.00 Uhr

"Auf den Spuren Kaiserin Adelheids" (Dom- und Stadtführung)

13.00 Uhr

Mittagessen

16.00 Uhr

Podiumsdiskussion zur Entstehung und Entwicklung der unitarischen Studentinnenvereine

18.30 Uhr

Abendessen

20.15 Uhr

Festkommers, Festrednerin: Prof. Ddr. Mariéle Wulf

Sonntag, 5. November 2017

ab 7.30 Uhr

Frühstück

9.00 Uhr

Heilige Messe

10.30 Uhr

Gespräch über die Zukunft der Studentinnenvereine mit Bsr. Maria Schulze-Oechtering

11.30 Uhr

Imbiss

 

Organisatorisches

Tagungsbeitrag: 30 Euro für Aktive, 160 Euro für AHAH/HDHD.  Im Tagungsbeitrag sind die angegebenen Mahlzeiten sowie die Übernachtung im Roncalli-Haus enthalten.
Für AHAH/HDHD, die nicht im Roncalli-Haus nächtigen und sich um ihre Unterkunft selbst kümmern, reduziert sich der Tagungsbeitrag auf 80 Euro.
Erst mit Überweisung des Tagungsbeitrags ist die Anmeldung gültig.

Anmeldeverfahren: Die Anmeldung erfolgt wie üblich online (uos.unitas.org), Anmeldeschluss: 03.09.2017.

 

Wer war Kaiserin Adelheid?

Adelheid (*913/932 †999) war in erster Ehe mit Lothar von Italien und in zweiter Ehe mit Otto dem Großen verheiratet. Bereits in Italien herrschte sie als Mitregentin an der Seite Ihres königlichen Gemahls. Nach seinem frühen Tod plante der Markgraf Berengar von Ivrea die junge Witwe mit seinem Sohn Adalbert zu verheiraten. Als Adelheid seinen Antrag ablehnte, setzte Berengar sie auf seiner Burg gefangen. Adelheid gelang mit ihrer Tochter Emma die Flucht zur Burg Canossa. König Otto I., der Adelheids Bruder Konrad erzogen hatte, kam Adelheid auf ihre Bitte hin zu Hilfe. Nach seinem Sieg über Berengar, heiratete er Adelheid im Jahre 951 in der Königsstadt Pavia und gewann auf diesem Wege die langobardisch-italienische Königswürde. Diese Heirat ermöglichte es ihm das römisch-germanische Kaisertum zu erlangen. Adelheid herrschte gleichberechtigt an seiner Seite. Nach der Hochzeit des gemeinsamen Sohnes Otto II mit der byzantinischen Prinzessin Theophanu, regierte das ottonische Kaiserhaus bis zum Tode Otto I zu viert - vorwiegend in Magdeburg, dessen Einflussgebiet Otto maßgeblich erweiterte und das durch sein Bestreben im Jahre 968 zum Erzbistum wurde. Nachdem sowohl Otto II als auch Theophanu unerwartet früh verstarben, sicherte Adelheid ihrem Enkel Otto III Herrschaft und Kaiserkrone. Die Kaiserin wurde im von ihr gestifteten Kloster Selz im Elsass begraben; ihre Grabstätte ist heute jedoch nicht mehr erhalten. Aufgrund ihrer Mildtätigkeit wurde sie 1097 heiliggesprochen.