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Die Unitas wurde 1855 von Bonn und Tübingen aus begründet und ist damit der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands.


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Barmherzigkeit heute - Was wir vom Aktiventag mitnehmen

Von:  Unitas tom-Kyle zu Kiel

05.12.2016

Das Christentum prägte und prägt unsere Gesellschaftsordnung. Einer der Grundpfeiler ist die Idee der Barmherzigkeit. Vielen Menschen ist dies aber nicht mehr bewusst. Indem wir als Unitarier deutlicher die christliche Verwurzelung unserer Gesellschaftsordnung kommunizieren, erhöhen wir auch ihre Akzeptanz.

Für Papst Franziskus ist es die Aufgabe der Christen, mit der Botschaft Jesu auf seine Mitmenschen zuzugehen. Vielleicht hatte er auch deshalb das gerade zu Ende gegangene Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen. Für uns Unitarier bot der Aktiventag in Erfurt die Möglichkeit, unser Verständnis des Ganzen zu erweitern. So erarbeiteten wir etwa im Workshop von Bbr. Prof. em. Dr. Hubert Braun den Zusammenhang von Barmherzigkeit und Wissenschaft.

Barmherzigkeit: Auch in der heutigen Gesellschaft unverzichtbar

Der Staat hat mit der Zeit viele Aufgaben der Kirche übernommen. Dabei übernahm er auch das zugrundeliegende christliches Denken, was allerdings nicht mehr viele wissen. Ein Beispiel kann man im Gleichnis vom barmherzigen Samariter sehen. Sozusagen als staatliches Äquivalent zu ihm haben wir heute ein großes Sozialsystem. Wie Hubert Braun sagte, sind z.B. fast die Hälfte der Pflegeheime für ältere Menschen staatlich finanziert. Der Staat handelt also barmherzig, indem er durch die Erhebung bzw. Einnahme von Steuern dieses Sozialsystem ermöglicht.

Angesichts dieser Versorgung erscheint vielen Menschen die Kirche heutzutage als überflüssig bzw. als ein Relikt vergangener Zeiten. Dann muss man aber fragen, was eine Gesellschaft eigentlich innerlich zusammenhält? In diesem Zusammenhang stellte Bundespräsident a.D. Roman Herzog 1994 fest: „Der Staat kann vieles ordnen, regulieren und bestimmen. Aber wir leben letztlich von dem, was nicht verordnet werden kann, was freiwillig getan wird.“

Wir haben bereits gesehen, dass unsere Sozialgesetzgebung christliche Wurzeln hat. Und auch für das freiwillige Engagement der Menschen liefert die Botschaft Christi die Basis! Die 14 Werke der Barmherzigkeit sind z.B. gute Ansatzpunkte. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken äußerte 1995 dazu: „Ohne sie (die Barmherzigkeit) geht die motivationale Grundlage für die Sozialgesetzgebung verloren. Ohne sie werden neue Notlagen überhaupt nicht entdeckt.“

Die christliche Sichtweise nimmt den Menschen als Ganzes in den Blick. Es geht nicht nur darum, ihn materiell zu versorgen, sondern auch Sinn zu spenden und geistig-seelische Notlagen zu lindern. Die Verbreitung christlichen Denkens in der Gesellschaft ist heutzutage wichtiger und relevanter denn je.

Wissenschaftliche Erkenntnisse als Instrumente der Barmherzigkeit 

Wissenschaft hat allgemein das Potential, den Menschen zu höchsten Höhen und zu tiefsten Tiefen zu führen. Die Atomforschung in der Physik lieferte uns wichtige Erkenntnisse über die Beschaffenheit der Natur. Gleichzeitig ermöglichte sie den Bau der Atombombe.

Man kann fast alle Erkenntnisse zum Guten und zum Schlechten nutzen. Wollte man daher alles an Forschung unterbinden, was nicht potentiell negativ genutzt werden könnte, müsste man auch fast alles verbieten. Wie Hubert Braun feststellt, kommt es also auf die Verantwortung des Einzelnen an. Abgesehen davon sollte man natürlich bestimmte Forschungen verbieten, die eindeutig zum Schaden der Menschheit sind. Ein Beispiel wäre die Entwicklung von chemischen Kampfstoffen.

Der Zusammenhang von Barmherzigkeit und Wissenschaft zeigt sich am deutlichsten in den Bereichen, in denen der Grundgedanke eingeflossen ist. Ein Beispiel dafür ist die Rechtswissenschaft und damit auch die Gesetzgebung. So würde heute als unterlassene Hilfeleistung gelten, was der Priester und der Levit taten, bevor der barmherzige Samariter sich um den Verwundeten kümmerte.

In anderen Fällen kann man den Einfluss nur eher indirekt erkennen. Im Fall des Staates würden wohl nur wenige Menschen annehmen, dass die Erhebung von Steuern ein Akt der Barmherzigkeit sei. Er ist es aber dennoch, da damit der Sozialstaat finanziert wird.

Ähnlich ist die Situation in der Pharmazie: Pharmakonzerne investieren Milliarden in die Forschung. Und da sie Unternehmen sind und keine gemeinnützigen Vereine, haben sie per Definition zunächst eine Gewinnerzielungsabsicht. Ein „Nebenprodukt“ der verkauften Arzneimittel ist aber, dass sie Millionen Menschenleben retten.

Und die Orientierung an der Verantwortung des Einzelnen bietet auch hier wieder besondere Möglichkeiten, barmherzig zu handeln. Häufig erwerben Pharmakonzerne Patente auf ihre Entdeckungen. Dadurch setzen sie am Markt einen höheren Preis durch und viele Menschen können die Arzneimittel nicht erwerben. Anders machte es Alexander Fleming: Nachdem er Penicilline entdeckt hatte, stellte er die gewonnenen Erkenntnisse in einem wissenschaftlichen Journal der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Fazit: Die Akzeptanz des Christentums in der Gesellschaft erhöhen

In Erfurt sind gerade einmal 6% der Menschen katholischen Glaubens. Hier wie auch an anderen Orten nimmt das Bekenntnis zu einer christlichen Kirche ab.

Was die Menschen aber ganz sicher schätzen und behalten wollen ist die christliche Prägung unserer Gesellschaft. Den Einfluss der katholischen Soziallehre auf Wissenschaft und Gesetzgebung. Die vielen Akte der Humanität, wie sie z.B. der Sozialstaat ermöglicht.

Die durch das Jahr der Barmherzigkeit gestarteten Initiativen und Projekte gehen ganz im Sinne von Papst Franziskus weiter. Und auch wir Unitarier haben beim Aktiventag einiges mitgenommen, was über das Wochenende hinausgeht.

Indem wir im Sinne der virtus noch intensiver nach außen kommunizieren, wie positiv die christlichen Wurzeln unserer Gesellschaftsordnung sind, stärken wir die Akzeptanz und vielleicht auch das Bekenntnis zum Christentum insgesamt.

 

Kontakt:

L. Schultz

Unitas tom-Kyle zu Kiel

Tom-kyle@unitas.org

https://www.facebook.com/UnitasTomKylezuKiel

Unser Dank für die Fotos geht an den lb. Bbr. Hermann-Josef Großimlinghaus.

 

Link zum Artikel des Zentralkomitees der deutschen Katholiken:

www.zdk.de/veroeffentlichungen/erklaerungen/detail/Barmherzigkeit-Eine-neue-Sichtweise-zu-einem-vergessenen-Aspekt-der-Diakonie-71V/

 

 

Zum Weiterlesen:
Weiterführende Fragen und Denkanstöße, die Bbr. Braun uns mitgab

 1. Wie definierst Du Barmherzigkeit?

 Aus christlicher Sicht?

Was sagt Papst Franziskus zum Jahr der Barmherzigkeit?

Wie verhalten sich Mitleid, Nächstenliebe und Barmherzigkeit zueinander?

Konkretisiere, was Du unter Barmherzigkeit verstehst?

Wie heißen die 7 leiblichen Werke der Barmherzigkeit?

Wie heißen die 7 geistigen Werke der Barmherzigkeit?

 

2. Wie definierst Du Wissenschaft?

Was ist Wissen?

Gibt es ein System das Wissen zu ordnen?

Ist Wissenschaft ein unveränderliches Wissen?

Gibt es verschiedene Wissenschaften?

Wie wird Wissenschaft gefördert, weiterentwickelt?

Wie ist die Wirkungsweise der Wissenschaften?

 

3. Wie kann wissenschaftliche Erkenntnis der Barmherzigkeit dienen?

Beispiel Medizin, Chemie, Technik, Biologie, Physik u.a.

Mit welchen der 7 leiblichen Werke können wissenschaftliche Erkenntnisse in Bezug gesetzt werden?

Mit welchen der 7 geistigen Werke können Wissenschaften in Bezug gesetzt werden?

Setzt Barmherzigkeit voraus, dass dafür nicht gezahlt werden muss?

Welche Möglichkeiten gibt es trotzdem Barmherzigkeit wirken zu lassen?

Welche Bedeutung hat in diesem Zusammenhang der moderne Sozialstaat?

Was bleibt für uns zu tun, um Barmherzigkeit zu üben?