Unitas - ein Name, ein Programm

Die Unitas wurde 1855 von Bonn und Tübingen aus begründet und ist damit der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands.


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Zur Mitte

Von:  Beirat für Kirchenfragen

14.04.2017

Liebe Bundesschwestern und Bundesbrüder,

sehr bald feiern wir erneut das Zentrum unseres Glaubens, die Auferstehung des Herrn an Ostern. Doch ganz soweit ist es noch nicht, noch sind wir in der Mitte der Triduum paschale, am Karfreitag. Jesus wird verhaftet, gefoltert und ans Kreuz geschlagen. Und er stirbt. Es ist kein sanftes Entschlafen im hohen Alter oder ein ruhmreicher Tod, wie es vielleicht die Zeloten vom Messias erwartet hätten, sondern der schändliche Tod eines Verbrechers, eines Ketzers, der sich selbst zum Sohn Gottes erklärt hatte.

Jesus selbst teilt am Kreuz mit allen Menschen die Gefühle von völliger Verzweiflung und Gottverlassenheit, was in seinem Ausspruch „Mein Gott, mein Gott warum hast du mich verlassen?“(Mk 15,34 Mt 27,46), einem Zitat aus Psalm 22, seinen Ausdruck findet. Jesus offenbart sich auch in seinem Sterben ganz als Mensch wie wir. Er kennt Zweifel, Ängste und das Gefühl der Verlassenheit, wie sie jeder von uns manchmal erfährt.

Auch für seine Jünger und Anhänger muss in diesem Moment des Todes Jeus eine Welt zusammengebrochen sein. Jesus, dem sie vertraut haben, dem sie durch ganz Israel gefolgt waren; Jesus, der ihnen Hoffnung gegeben hatte auf das Reich Gottes und ganz neue Wege zum Umgang miteinander aufgezeigt hatte; Jesus, der als einziger ganz gerecht gewesen war; er war auf einmal tot. Zunächst mussten die Jünger davon ausgehen, dass jetzt alles aus war und Jesu Projekt endgültig gescheitert war. Jesus war den schrecklichen Tod eines Gotteslästerers gestorben, dabei sprach er doch vom ewigen Leben und der Auferstehung der Toten.

Dieser Tod Jesu ist ein Skandal in der Antike und darüber hinaus. Gott leidet und stirbt am Kreuz. Das ist ein unerhörter Vorgang in einer Welt in der die Götter unsterblich und allmächtig sind. Es ist auch einer der ersten Vorwürfe, mit denen sich die frühen Christen auseinandersetzen, wie sie nur an einen Gott glauben können, der gestorben ist.

Doch der Tod Jesu ist ein mächtiger Erweis der Solidarität Gottes mit den Menschen. Gott ist kein distanzierter ganz und gar transzendenter Gott, sondern er lässt sich vollständig ein auf die Menschen und das Menschsein ein. Gott ist so interessiert an den Menschen, dass er das Menschsein auch in seinen Abgründen nicht nur aus der Ferne betrachten, sondern ganz erfahren will. Die Menschwerdung Gottes ist so kein Maskenspiel, sondern in Christus kommen menschliche und göttliche Natur ungemindert zusammen. Und so kostet Christus auch den Tod, die größte existentielle Krise des Menschseins. Denn, so formuliert es der Heilige Gregor von Nazianz: „Was nicht angenommen, ist auch nicht erlöst.“Wir dürfen sicher sein, Gott weiß genau, was es bedeutet ein Mensch zu sein. Er weiß um unsere Momente des Glücks, aber auch um die Abgründe bis hinein in Leid und Tod. Durch diese Erfahrungen Gottes können wir sicher, dass Gott uns versteht und in all unseren Lebensphasen begeiten kann und trägt.

Christi Tod und sein Liegen im Grab ist verknüpft mit einem weiteren Aspekt, dem sogenannten Descensus ad inferos. Jesus steigt hinab zu den Toten, die vor seiner Auferstehung gestorben sind und bringt denen das Evangelium, die ihn nicht kennen konnten. Hinter dieser Vorstellung verbirgt sich, dass Christus alle Menschen in sein Erlösungswerk mit einschließt. Die Lebenden und die Toten. Niemand ist vergessen bei Gott.

Ich wünsche euch und euren Angehörigen ein herrliche Osternacht und eine segensreiche Osterzeit.

Semper in unitate!

Euer Bundesbruder David Olszynski