Unitas - ein Name, ein Programm

Die Unitas wurde 1855 von Bonn und Tübingen aus begründet und ist damit der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands.


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Von:  Beirat für Kirchenfragen

05.03.2017

„Dürfen Sie in der Fastenzeit keinen Alkohol trinken?“ „Warum verbietet Gott Ihnen denn, in der Fastenzeit Fleisch zu essen?“ „ Man soll doch auf das verzichten, das einem Spaß macht.“

Die Fragen und Antworten meiner Schülerinnen und Schüler zeigen deutlich, dass die Fastenzeit von vielen auf den Aspekt des Verzichts und der Entsagung reduziert wird. Insbesondere meine muslimischen Schülerinnen und Schüler betonen darüber hinaus die religiöse Verpflichtung zum Fasten. So verstanden wird die Fastenzeit zu einer Disziplinübung – eine schwere Zeit, die es durchzuhalten gilt. Der Blick in den Katechismus könnte diesen Eindruck zumindest bezogen auf die gebotenen Fast- und Abstinenztage, Aschermittwoch und Karfreitag, erhärten.

Doch formuliert der Katechismus als Ziel des Fastens, „die Freiheit des Herzens [zu] erringen“ (KKK 2043). Die Freiheit des Herzens bedeutet, sein Leben an das zu hängen, was das Leben im Eigentlichen erst groß und wunderbar macht. Papst Benedikt XVI. formulierte in seiner Predigt zur Amtseinführung am 24.04.2005: "Wer Christus einläßt, dem geht nichts, nichts – gar nichts verloren von dem, was das Leben frei, schön und groß macht. Nein, erst in dieser Freundschaft öffnen sich die Türen des Lebens.“ In der Fastenzeit geht es darum, die Freundschaft zu Christus zu suchen, zu erneuern oder zu pflegen, damit wir leben. Die Fastenzeit ist die Zeit, in der ich meine Beziehungen in Ordnung bringen, neu gestalten und leben kann; die Beziehung zu Gott, zu meinen Mitmenschen und zu mir selbst. Es ist folglich eine Zeit der „Um-kehr“ auf der einen Seite und der „Hin-kehr“ zu Gott, zu meinen Mitmenschen und zu mir selbst auf der anderen Seite.

Also muss ich auf nichts verzichten? So einfach ist es sicher nicht. Aber Entsagung ist kein Selbstzweck, sondern ist eine Äußerungsform der Umkehr. Und damit steht Entsagung nie für sich genommen alleine da, sondern geht einher mit der Hinkehr zu Gott durch Beten und der Hinkehr zum Mitmenschen durch Werke der Nächstenliebe, z.B. Almosen geben.

Ich wünsche allen eine gesegnete österliche Bußzeit.

in unitate

Rüdiger Duckheim v/o Richie