Unitas - ein Name, ein Programm

Die Unitas wurde 1855 von Bonn und Tübingen aus begründet und ist damit der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands.


Übersicht

Rückblick auf das Kroneseminar

Von:  Unitas-Verband e.V.

21.02.2017

„Deutschlands Verantwortung in Europa und in der Welt – Grundsätze der katholischen Soziallehre und politisches Handeln heute“ war das Oberthema des diesjährigen Kroneseminars, das vom 11. bis 15. Februar 2017 in Berlin vom Unitas-Verband, der Joseph-Höffner-Gesellschaft und dem Heinrich-Pesch-Preis ausgerichtet wurde.

Aus dem Glauben heraus 

Das Impulsreferat „Befähigung zu christlichem Sehen, Urteilen und Handeln: Schätze der katholischen Soziallehre“ hielt Br. Dr. rer. soc. Michael Hainz S.J. Zunächst zeigte er die Grundanliegen der katholischen Soziallehre auf und stellte die methodischen Herausforderungen dar. Anschließend beschrieb er die Methodik der katholischen Soziallehre mit dem Fünfschritt des hermeneutischen Zirkels, der aus Wahrnehmen, Analysieren, Deuten/Urteilen, Handeln und Evaluieren besteht. Zum Abschluss erläuterte  er die grundlegenden Prinzipien und Werte: Personalität, Gemeinwohl, Solidarität, Subsidiarität, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Dialog. Viele der von ihm angesprochen Punkte wurden im Verlauf des Seminars von anderen Referenten nochmals aufgegriffen.

Am Sonntag feierten wir gemeinsam die Eucharistie in Maria Regina Martyrium, der Gedenkkirche der deutschen Katholiken für die Opfer des Nationalsozialismus in Berlin-Charlottenburg. Anschließend wurde einen stilles Gedenken an der Gedenkstätte Plötzensee abgehalten.

Am Nachmittag referierte Prof. Dr. Dr. Bernd Irlenborn über die „Christliche Verantwortung im säkularen Staat“. Die Rolle religiöser Überzeugungen in öffentlichen Diskursen erläuterte er, indem er verschieden Positionen aufzeigte und Jürgen Habermas zitierte, welcher von einem säkularisierten Bürger geradezu erwartet, seine relevanten religiösen Beiträge in angemessener und verständlicher Sprache in die öffentlichen Diskussionen einzubringen. In der Beschreibung der staatskirchenrechtliche Situation in Deutschland, welche von einer notwendigen Trennung von Kirche und Staat ausgeht mit aber gemeinsame Anliegen haben und offen kooperieren können zeigte er eine dennoch mögliche Balance auf. Der christliche Glauben als öffentliche Religion und die christlich-katholische Verantwortung im säkularen Staat, die ausgehend von Glaube, Hoffnung und Liebe habe Zeugnis des Lebens zu sein. Sie erzeuge daraus den Mut, die eigene Bequemlichkeit zu überwinden und das gesellschaftliche Leben mitzugestalten (vgl. Lumen gentium Nr.31 und Evangelii gaudium, Nr. 20).

Politik - nicht nur in der Hauptstadt

Bundesbruder Dr. Christoph Lehmann führte mit seinem Thema „Sucht der Stadt Bestes – kirchliches und politisches Engagement in Berlin“ durch das politische Berlin, bevor unser Weg zu einem Abendausklang mit Pizza und Bier auf dem Unitas-Haus Berlin führte.

Von Bbr. Dr. Heinrich Krone berichtete am Montag Morgen Bbr. Christian Poplutz mit vielen Details aus der aktiven Politik des Namensgebers des Seminars, die stets von christlicher Verantwortung geprägt war. Im Vortrag von Bbr. Staatssekretär a.D. Friedhelm Ost unter dem Titel „Schicksalsjahr 2017 - Deutschlands wirtschaftliche und soziale Verantwortung“ war die Gewaltenteilung als eine zentrale Errungenschaft der Demokratie zentraler Inhalt. In diesem Sinne ist die soziale Marktwirtschaft, also Wohlstand für alle, die Ideale Lösung für die Wirtschaft in Deutschland. Dies beschrieb Bbr. Ost mit einem Zitat von Adam Smith: „Die Stärke einer Volkswirtschaft liegt in der internationalen Arbeitsteilung“. Bbr. Ost formulierte die  zentralen Herausforderungen unserer Zeit.  So sprach er von  Nationalisierung (Trump, Putin und auch in Deutschland mit der AfD), dem Zustand der EU (aktuell existiert keine Solidarität in der EU), der demographischen Überalterung, der  Digitalisierung,  der Sicherheitspolitik und der Bildungspolitik. Ferner nannte er als zentrale Wahlthemen 2017 die Steuer- und Flüchtlingspolitik.

Vor der Besichtigung des deutschen Bundestages, der Kuppel des Reichstages, sowie das Bundeskanzleramt, sprachen wir mit Bbr. Michael Brand (MdB) zu „Die Krise zum Wendepunkt machen – aktuelle Herausforderungen für Menschenrechte und humanitäre Hilfe!“. Zentrale Themen dabei waren Flüchtlingshilfe durch Bekämpfung der Fluchtursachen, humanitäre Hilfe und deren Verwirklichung sowie das Fehlen einens Monitoringsystems für die genannte Hilfe. Weitere Themen waren die Gesetzgebung zur Suizidbeihilfe, die Christenverfolgung und das anstehende Wahljahr.

Am Dienstag diskutierten wir über das Thema „Grundzüge, Geschichte und Persönlichkeiten der katholischen Soziallehre“ und der Bedeutung der katholischen Soziallehre für den Unitas-Verband. Anschließend besuchten wir das Mauermuseum „Haus am Checkpoint Charlie“ und sprachen mit der Direktorin Alexandra Hildebrand über die Thematik „Grenzen“. Anschließend sprach Bbr. Stefan Evers  über das Thema „Berlin auf dem Weg zur 4-Millionen-Metropole: Förderung des selbstgenutzten Wohneigentums als Instrument einer sozialen und nachhaltigen Stadtentwicklungspolitik“.

Der politische Alltag

Besonders spannend sollte noch einmal der letzte Tag des Seminars werden. Zum Auftakt besuchten wir das ARD-Hauptstadtstudio und erhielten einen Blick hinter die Kulissen. PHOENIX Korrespondent Gerd-Joachim von Fallois berichtete aus dem Alltag eines Parlamentsjournalisten. Direkt im Anschluss wechselten wir auf die politische Seite und erhielten von Dr. Stefan Heck (MdB) einen Einblick in den Alltag eines jungen Bundestagsabgeordneten. Den Abschluss machte Ministerialdirigent Dr. Guido Heinen, Leiter des wissenschaftlichen Dienstes beim Deutschen Bundestag. Mit ihm sprachen wir abschließend über „Propaganda, »Fake-News« und Lobbyismus – Das Ringen um Fakten in Medien, Wissenschaft und Politik“. Dabei wurde aus einer nochmal ganz neuen Perspektive diskutiert.

Fazit: Das Kroneseminar war mal wieder erstklassig, was neben den Referenten und zahlreichen Besichtigung auch an den Bundesbrüdern und Bundesschwestern lag, die oft noch bis spät in die Nacht über das Erlebte sprachen und ihre Sicht der Dinge miteinander austauschen wollten.