Unitas - ein Name, ein Programm

Die Unitas wurde 1855 von Bonn und Tübingen aus begründet und ist damit der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands.


Übersicht

Christliches Handeln im Jetzt und Hier!

Von:  Unitas-Verband

01.12.2016

Erfurt. Zum Ende des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit trafen sich etwa 150 Aktive in der Bischofsstadt Erfurt, um unter dem Titel „Im Zeichen der Barmherzigkeit – Christliches Handeln im Jetzt und Hier!“ drängende Fragen des Umgangs mit unseren Mitmenschen zu diskutieren.

Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.

Diese Stelle aus dem Evangelium des Christkönigfestes, an dem der Aktiventag des Unitas-Verbandes endete, zusammen mit der Zusage "Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein", die Christus dem Verbrecher zusagt, der neben ihm am Kreuz starb, zeigt deutlich das Wesen der Barmherzigkeit Gottes. Sicher ist der Auftrag, seinen Nächsten zu vergeben, keine Pflicht zu einer Laissez-faire-Ethik, die sich nicht traut, moralische Regeln zu benennen, zu leben und auch bei anderen zu erwarten.

Der Aktiventag in Erfurt war daher eingebettet in eine liturgische Begleitung des Geistlichen Beirats Bbr. Stefan Wingen, der mit der Abendandacht am Freitag den Aktiventag im Hohen Dom zu Erfurt offiziell eröffnete. Auch am Samstag und Sonntag bildeten eine Andacht bzw. die Feier der Heiligen Messe den Start in den Tag.

Impulsvortrag: Ist alle Moral menschengemacht?

Unter anderem mit dieser Fragestellung beschäftigte sich der Impulsvortrag "Gott ist barmherzig – ja, hoffentlich! Aber: Wie weit trägt die Rede von Gottes Barmherzigkeit, wenn es um eine glaubwürdige Relevanz des Christlichen geht?" von Bbr. Dr. Oliver Wintzek, der zu Beginn der Arbeitsphase am Samstag stand. Mit seinen anspruchsvollen und anregenden Impulsen konnten die Teilnehmer in den anschließenden Workshops konkret werden. Was ist barmherziges Handeln in unserer modernen Gesellschaft? Wie leben und erleben wir Barmherzigkeit zu Beginn und zum Ende des Lebens? Kann ein Schwangerschaftsabbruch barmherzig sein? Ist Sterbehilfe ein Akt der Barmherzigkeit? Kann der Staat barmherzig handeln oder verhindert ein Sozialstaat eher, dass der einzelne barmherzig handelt? Und wie verhält es sich mit der Beichte als dem Sakrament der Versöhnung? Mit diesen und vielen weiteren Fragen konnten sich die angereisten Studentinnen und Studenten aus ganz Deutschland in den Workshops und auch darüber hinaus intensiv beschäftigen.

Vom Corpus Iuris Civilis zur Verfassung

Natürlich kam auch die Geselligkeit und das freudige Wiedersehen von Bundesbrüdern und Bundesschwestern nicht zu kurz. Der Freitag schloss mit einem gemütlichen Beisammensein beim Begrüßungsabend, bei dem sich die Aktiven, Alten Herren und Hohen Damen in der Atmosphäre eines mittelalterlichen Mahls austauschen konnten.

Unter der Leitung des hohen Vorortspräsidents Bbr. Niklas Bensiek (Unitas Sugambria) schloss der Samstag mit einem würdevollen Commers in der Stadthalle Arnstad ab. Im Festvortrag führte der Präsident des Thüringer Verfassungsgerichtshof, Professor Dr. Manfred Aschke, die Zusammenhänge unserer modernen westlichen Verfassungsstruktur mit den Grundlagen im römischen Recht aus. Er zeigte auf, wie unser Verfassungsverständnis schon zum Ende der Antike geprägt wurde, sich dann seit der französischen Revolution weiterentwickelte und in den modernen Nachkriegsverfassungen ihren vorläuftigen Abschluss fand.

Der Aktiventag selbst endete am Sonntagmittag mit einem Vortrag von Mirjam Kruppa, der Beauftragten für Integration, Migration und Flüchtlinge des Freistaats Thüringen. Sie zeigte viele Aspekte der Flüchtlingspolitik auf, die in der medialen Berichterstattung oft unterzugehen scheinen. Insbesondere ging sie darauf ein, wie sich bundes- und landespolitische Entscheidungen ergänzen oder behindern können und wie sich die Lage von dicht besiedelten Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen von der in Thüringen untscheidet. Außerdem bot sie den Teilnehmern einen Einblick in ihre Arbeit, in der sich Aufgaben der Flüchtlingspolitik mit der Abnahme der neu ankommenden Flüchtlinge seit der Schließung der Balkan-Route weg von einer bloßen Registrierung und Aufnahme hin zu wirklichen Integrationsmaßnahmen entwickeln.