Unitas - ein Name, ein Programm

Die Unitas wurde 1855 von Bonn und Tübingen aus begründet und ist damit der älteste katholische Studenten- und Akademikerverband Deutschlands.


Münsteraner Erklärung gegen politischen Extremismus

Resolution der 135. Generalversammlung des Unitas-Verbandes zur Stärkung von Demokratie und Toleranz in der Bundesrepublik Deutschland: Münsteraner Erklärung

Präambel: Verband der Wissenschaftlichen Katholischen Studentenvereine Unitas

Mit der Münsteraner Erklärung anlässlich seiner 135. Generalversammlung möchte der Unitas-Verband ein Zeichen setzen gegen jeglichen politischen Extremismus, für die Stärkung der Demokra-tie in Deutschland eintreten und alle Studenten- und Akademikerverbände sowie dachverbandsfreie einzelne Korporationen einladen, die Erklärung ebenfalls zu unterzeichnen.

Mit ihren Prinzipien virtus, scientia und amicitia steht die Unitas für interdisziplinären, generationenübergreifenden Diskurs, für die Übernahme von Verantwortung in Staat, Kirche und Gesellschaft sowie für ein weltzugewandtes Christentum und für den Schutz des Lebens und der Schöpfung. Diesen Leitlinien und dem Erbe berühmter Unitarier wie beispielsweise dem EU-Gründervater Robert Schuman, dem Würzburger Märtyrer Georg Häfner und den Lübecker Märtyrern Johannes Prassek und Eduard Müller verpflichtet, erwächst jedem Unitarier die Aufgabe, sich gegen Hass und Gewalt und für Menschenliebe und Gerechtigkeit einzusetzen.

Dem 1855 von Bonn und Tübingen aus begründeten, 1938 von den Nationalsozialisten als "staatsfeindliche Organisation" verbotenen und nach dem Krieg 1947 wiederbegründeten ältesten katholischen Studenten- und Akademikerverband Deutschlands gehören gegenwärtig über 40 Unitas-Vereine an über 30 deutschen Hochschulen an. Fast 900 aktive Studentinnen und Studenten aller Fakultäten und weitere 6000 Akademikerinnen und Akademiker sind im Unitas-Verband organisiert.

Münsteraner Erklärung: Studenten- und Akademikerverbände stärken die Demokratie

Seit jeher waren Universitäten nicht nur Horte des Wissens, sondern auch Orte, an denen die Jugend zur Ausbildung für ihr späteres Wirken in Gesellschaft und Staat zusammenkam. Von überall her strömten Studenten an die Hochschulen und organisierten sich in Gruppen, den Ursprüngen der heutigen Studentenverbindungen. Diese entwickelten sich zum tragenden Element des studentischen Lebens an den Hochschulen und waren Heimat für die Neuankömmlinge.

Studentische Vereinigungen waren jedoch immer auch geistige Kinder ihrer Zeit und somit unmittel-bar und mittelbar an den geistigen, politischen und auch revolutionären Strömungen jeder Epoche beteiligt. Sie trugen Aufklärung und Romantik wie Nationalismus und Liberalismus. Sie spiegelten den bürgerlichen Konservatismus um 1900 gleichsam wie die innere Zerrissenheit des Nachkriegseuropas in der Weimarer Zeit wider.

So bot die Studentenschaft an den deutschen Hochschulen der nationalsozialistischen Gesinnung einen fruchtbaren Nährboden. Aber wie in allen anderen Schichten der deutschen Bevölkerung entwickelte sich in der Studentenschaft und in den studentischen Korporationen auch Widerstand. Es gab in den studentischen Verbindungen Unterstützer, Mitläufer und Gegner des Nationalsozialismus.

Nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges befanden sich die Korporationen ebenso wie die gesamte Gesellschaft im Wiederaufbau. Man besann sich neu auf die bewährten Werte und geistigen Traditionen der christlichen oder humanistisch-aufklärerischen Ursprünge.

Die akademischen Studentenverbände verstehen sich als Gemeinschaften, die den Studenten Heimat sein und zu ihrer Persönlichkeitsentwicklung beitragen wollen: Vernunft und Recht sowie basisdemokratische Organisation sollen junge Menschen zu verantwortungsbewussten Mitgliedern unserer demokratisch verfassten Gesellschaft erziehen. Im Hinblick auf Europa als unsere geistige Heimat sollen sie zu Weltoffenheit und Toleranz angeleitet werden. Sie sollen dazu bereit sein, gegen jedwede Art von antidemokratischem und intolerantem Denken und Handeln deutlich Position zu beziehen. Dies gilt insbesondere in Bezug auf die Diskriminierung von Personen aufgrund von Abstammung, Rasse, Heimat, Herkunft und Behinderung.

Aus diesem demokratischen Selbstverständnis heraus wird von allen in Studenten- und Akademikerverbänden organisierten Korporationen die offene und intensive Auseinandersetzung mit Fragen der Zeit und der Gesellschaft gewünscht und gefördert. Wer hingegen im Rahmen seiner Mitgliedschaft in einer Korporation extremistische politische Standpunkte propagiert, stellt sich außerhalb der Werte und Bestimmungen seiner Korporation. Eine Korporation, die dies zulässt, stellt sich außerhalb des korporativen Gefüges und somit gegen ihre eigenen Prinzipien.

Die unterzeichnenden Korporationen und Verbände verpflichten sich daher, extremistischen politischen Standpunkten entgegenzuwirken und verurteilen die Anwendung jeglicher politisch motivierten Gewalt. Sie verpflichten sich gemäß ihren Prinzipien, ihre Mitglieder zu einem gesellschaftlich verantwortungsvollen Leben anzuhalten.

Verabschiedet durch die 135. Generalversammlung des Unitas-Verbandes.

Münster, den 19. Mai 2012

Kilian Schmiz, Vorortspräsident